Chronische Eosinophilenleukämie, nicht weiter spezifiziert (CEL, NOS)

  • Methode:
  • Antikoagulans:
  • Empfehlung:
  • Methode:
    Zytomorphologie
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Immunphänotypisierung
  • Antikoagulans:
    EDTA oder Heparin
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Chromosomenanalyse
  • Antikoagulans:
    Heparin
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    FISH
  • Antikoagulans:
    EDTA oder Heparin
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Molekulargenetik
  • Antikoagulans:
    EDTA oder Heparin
  • Empfehlung:
    obligat

Die nicht weiter spezifizierte chronische Eosinophilenleukämie (CEL, NOS) ist durch eine klonale Eosinophilie charakterisiert und wird den myeloproliferativen Neoplasien (MPN) zugeordnet. Es ist eine sehr seltene und aggressive Erkrankung, bei der die klonale Proliferation eosinophiler Vorläuferzellen eine Erhöhung der Eosinophilen im peripheren Blut, Knochenmark und peripheren Gewebe bewirkt. Eine leukämische Infiltration oder die Freisetzung von Zytokinen, Enzymen oder anderen Proteinen der Eosinophilen können zu Organschäden von z.B. Herz, Lunge, Haut, Gastrointestinaltrakt oder dem zentralen Nervensystem führen.

Klassifikation der Eosinophilenleukämie

Diagnose-Kriterien nach WHO 2017:

  • Eosinophilie (Eosinophilenzahl ≥1,5 x 109/L)
  • Die WHO-Kriterien für eine BCR-ABL1-positive CML, eine BCR-ABL1-negative atypische CML, PV, ET, PMF, CNL oder CMML sind nicht erfüllt
  • Es liegt kein PDGFRA, PDGFRB oder FGFR1 Rearrangement vor und keine Fusion von PCM1-JAK2, ETV6-JAK2 oder BCR-JAK2
  • Der Blastenanteil liegt bei <20% im peripheren Blut und Knochenmark. AML-definierende und blastenunabhägige Aberrationen (inv(16)(p13q22), t(16;16)(p13;q22), t(8;21)(q22;q22)) sollten ausgeschlossen werden
  • Es liegt eine klonale zyto- oder molekulargenetische Veränderung vor oder der Blastenanteil ist ≥2% im peripheren Blut oder ≥5% im Knochenmark

Die Diagnose einer chronischen Eosinophilenleukämie (CEL, NOS) wird meistens durch den Ausschluss anderer hämatologischer Neoplasien, die eine Eosinophilie aufweisen können, gestellt. Ausgeschlossen werden hierbei Neoplasien, die ein Philadelphia-Chromosom bzw. eine BCR-ABL1-Fusion, ein PDGFRA-, PDGFRB- oder FGFR1-Rearrangement, oder eine PCM1-JAK2-ETV6-JAK2- oder BCR-JAK2-Fusion aufweisen. Laut WHO zeigt die CEL, NOS eine Eosinophilenzahl ≥1,5 x 109/L im peripheren Blut und einen Blastenanteil von <20% im peripheren Blut und Knochenmark. Zudem ist für die Diagnose entweder die Klonalität einer zyto- oder molekulargenetischen Veränderung oder eine Erhöhung der Blastenzahl von ≥2% im peripheren Blut oder von ≥5% im Knochenmark notwendig. Hierbei ist zu beachten, dass Mutationen in z.B. TET2ASXL1 und DNMT3A bei älteren Menschen ohne Assoziation zu einer hämatologischen Neoplasie auftreten können (siehe CHIP in der Hämatologie) und daher für einen Klonalitätsnachweis kritisch betrachtet werden sollten.

Lässt sich weder die Klonalität durch den Nachweis einer zyto- oder molekulargenetischen Veränderung beweisen noch eine Erhöhung der Blastenzahl nachweisen, ist die Diagnose eines idiopathischen hypereosinophilen Syndroms (HES) zu stellen. Das idiopathische hypereosionophile Syndrom zeichnet sich durch eine für ≥6 Monate andauernde Eosinophilenzahl von ≥1,5 x 109/L aus, für die keine zugrundeliegende Ursache nachgewiesen werden kann. Zudem liegen Anzeichen für die Involvierung von Organen und deren Dysfunktion vor. Ohne diese Anzeichen sollte die Bezeichnung idiopathische Hypereosinophilie verwendet werden. Eine Eosinophilie kann auch durch die vermehrte Freisetzung von T-Zell-assoziierten Zytokinen bewirkt werden. Daher sollte das Vorliegen aberranter T-Zellen ausgeschlossen werden.

Differentialdiagnostik der chronischen Eosinophilenleukämie

Abbildung 1: Diagnostischer Algorithmus und Differentialdiagnostik bei Vorliegen einer Hypereosinophilie, adaptiert nach Reiter & Gotlib 2017.

Diagnostische Methoden bei der chronischen Eosinophilenleukämie

Prognose und Therapie bei der chronischen Eosinophilenleukämie

Für die chronische Eosinophilenleukämie, nicht weiter spezifiziert (CEL, NOS) ist eine ungünstige Prognose beschrieben. In einer Kohorte mit 10 Patienten lag das mediane Gesamtüberleben bei 22,2 Monaten. Von den 10 Patienten zeigten 5 eine Transformation in eine akute Leukämie nach einem Median von 20 Monaten (Helbig et al. 2012). Laut WHO sind eine Splenomegalie, Blasten im peripheren Blut oder eine erhöhte Blastenzahl im Knochenmark, zytogenetische Aberrationen und dysplastische Merkmale in anderen myeloischen Zelllinien mit einer ungünstigen Prognose assoziiert.

Es besteht kein standardisiertes Behandlungsprotokoll für Patienten mit chronischer Eosinophilenleukämie. Bei einigen Patienten kann Hydroxyurea zur Kontrolle von Leukozytose, Eosinophilie und Splenomegalie eingesetzt werden. Außerdem ist auch die Behandlung mit Steroiden, entweder in Kombination mit Hydroxyurea oder als Einzeltherapie beschrieben. Zudem konnten positive Ergebnisse unter Verwendung von Interferon-α bei Patienten erzielt werden, die kein Ansprechen auf andere Therapien, wie z.B. Prednison und/oder Hydroxyurea, zeigten. Für jüngere und körperlich fitte Patienten sollte eine Stammzelltransplantation in Betracht gezogen werden (Helbig et al. 2012, Morisa et al. 2020, Swerdlow et al. 2017).

Da die CEL, NOS eine sehr seltene Entität darstellt und die Diagnose teilweise schwer zu stellen ist, umfassen bisherige Studien lediglich eine kleine Anzahl an Patienten. Daher lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt über genaue Prognosefaktoren und Behandlungsstrategien keine klare Aussage treffen.

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