Haarzellleukämie (HZL) und Haarzellleukämie-Variante (HZL-v)

  • Methode:
  • Antikoagulans:
  • Empfehlung:
  • Methode:
    Zytomorphologie
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Immunphänotypisierung
  • Antikoagulans:
    EDTA oder Heparin
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Chromosomenanalyse
  • Antikoagulans:
  • Empfehlung:
    nein
  • Methode:
    FISH
  • Antikoagulans:
  • Empfehlung:
    nein
  • Methode:
    Molekulargenetik
  • Antikoagulans:
    EDTA oder Heparin
  • Empfehlung:
    obligat

Die Haarzellleukämie (HZL) stellt eine seltene Erkrankung dar, die meist indolent verläuft. Die Inzidenz beträgt 0,3/100.000 Personen. Das Haupterkrankungsalter liegt bei etwa 50 Jahren. Männer erkranken vier- bis fünfmal häufiger als Frauen. Klinisch imponiert in der Regel eine ausgeprägte Splenomegalie und Panzytopenie. Charakteristisch ist das Auftreten von Haarzellen mit feinen, haarförmigen Zytoplasmaausläufern.

Klassifikation der Haarzellleukämie

Die Haarzellleukämie gehört laut WHO-Klassifikation 2017 zu den reifen B-Zellneoplasien. Als zentraler molekulargenetischer Befund gilt heute die BRAF-Mutation V600E, die praktisch bei allen Patienten mit klassischer Haarzellleukämie nachweisbar und zur Abgrenzung gegenüber anderen indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen hilfreich ist. Gemäß der neuen WHO-Klassifikation ist von der Haarzellleukämie die variante Form der Haarzellleukämie (HZL-v) zu unterscheiden (vgl. Tabelle 1).

>90%

der HZL-Patienten haben eine BRAF V600E Mutation

(Onkopedia Leitlinie HZL)

Tabelle 1: WHO-Klassifikation 2017 der Haarzellleukämie (HZL) und der varianten Form der Haarzellleukämie (HZL-v)

(Swerdlow et al. 2017)

Reife B-Zellneoplasie

Haarzellleukämie (HZL)

BRAF-Mutation V600E charakteristisch

variante Form der Haarzellleukämie (HZL-v)

keine BRAF-Mutation

Die Haarzellleukämie und ihre variante Form unterscheiden sich insbesondere in Klinik und Genetik. Patienten mit HZL-v sind, verglichen mit Patienten mit der klassischen Haarzellleukämie, älter und Männer erkranken ähnlich häufig wie Frauen (Matutes et al. 2001). Wichtigster diagnostischer Unterschied ist aber das Fehlen einer BRAF-Mutation. Im Gegensatz zur klassischen Haarzellleukämie zeigt die HZL-v einen aggressiveren Verlauf mit kürzeren Überlebenszeiten und schlechterem Ansprechen auf herkömmliche Therapieansätze. Trotz Ähnlichkeiten im Phänotyp und Immunphänotyp gibt es auch hier Unterschiede (vgl. Diagnostik).

Diagnostische Methoden bei Haarzellleukämie

Prognose bei Haarzellleukämie

Die Mehrzahl der Patienten mit Haarzellleukämie hat eine normale Lebenserwartung

Die klassische Haarzellleukämie hat bei der Mehrzahl der Patienten eine gute Prognose und für circa 70% der Patienten ergibt sich eine normale Lebenserwartung (Onkopedia Leitlinie HZL 2020). Entscheidend ist dabei das Therapieansprechen. So haben Patienten, die eine komplette Remission erreichen, im Vergleich zu Patienten mit partieller Remission eine signifikant bessere Prognose (u.a. Else et al. 2009, Rosenberg et al. 2014, Grever et al. 2017, Onkopedia Leitlinie HZL 2020). Kontrovers wird noch diskutiert, ob das Risiko für sekundäre Tumore erhöht ist (u.a. Maitre et al. 2019). Im Unterschied zur klassischen Haarzellleukämie zeigt die HZL-v einen aggressiveren Verlauf mit kürzeren Überlebenszeiten (Swerdlow et al. 2017).

Haarzellleukämie - Therapie

Häufig Rezidiv trotz initial hoher Ansprechrate

Die Therapie von Patienten mit Haarzellleukämie erfolgt in der Regel mittels Purinnukleosid-Analoga (Cladribin, Pentostatin), welche ggf. auch in Kombination mit anti-CD20 monoklonalen Antikörpern (Rituximab) gegeben werden können (Grever 2010, Grever et al. 2017). Dadurch kann für ~80 – 85% der Patienten eine dauerhafte komplette Remission der Erkrankung über mehrere Jahre erzielt werden, auch wenn bei circa 40 – 50% der Patienten ein Rezidiv auftritt (Grever 2010).

Neue gerichtete Therapieoptionen, speziell für Patienten mit Rezidiv, beinhalten die Verwendung von BRAF- und MEK-Inhibitoren (Vemurafenib, Dabrafenib, Trametinib), welche den durch die BRAF V600E-Mutation überaktivierten RAS-RAF-MEK-ERK-Signalweg inhibieren. In zwei klinischen Studien mit Vemurafenib konnten sehr gute Ansprechraten erzielt werden (Gesamtansprechen 96% bzw. 100%, komplette Remission bei 35% bzw. 42%) (Tiacci et al. 2015, Falini et al. 2016). Jedoch zeigten auch diese Patienten eine hohe Rate an Rezidiven durch die Entstehung von Resistenzen gegen die BRAF-Inhibitoren. Zukünftige Therapiestrategien sollten sich daher auf die Reduzierung der Resistenzbildung fokussieren, beispielsweise durch die Verwendung von neuen BRAF-Inhibitoren, der Kombination von BRAF- und MEK-Inhibitoren oder der Kombination von BRAF-Inhibitoren mit anti-CD20 monoklonalen Antikörpern (Falini et al. 2016). Weitere therapeutische Ansätze für rezidivierte/refraktäre Haarzellleukämie stellen das gegen CD22 gerichtete Immuntoxin Moxetumomab Pasudotox und der Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor Ibrutinib dar (Maitre et al. 2019).

Für Patienten mit der varianten Form der Haarzellleukämie lag das Gesamtansprechen auf eine Cladribin-Monotherapie unter 50%, mit einer kompletten Remissionsrate von 8% (Kreitmann et al. 2013). Durch Kombination von Cladribin mit dem anti-CD20-Antikörper Rituximab ließ sich allerdings der Anteil der kompletten Remissionen bei sequentieller Gabe auf 86% (Chihara et al. 2016) bzw. auf 90% bei Kombinationsgabe steigern (Kreitmann et al. 2013). Die Cladribin/Rituximab-Therapie wird daher derzeit als Erstlinientherapie empfohlen (Maitre et al. 2019). Therapieoptionen für rezidiviertes/refraktäres HZL-v umfassen: eine Wiederholung der Cladribin/Rituximab-Therapie, die Teilnahme an klinischen Studien, die Behandlung mit Moxetumomab Pasudotox sowie eine Ibrutinib-Behandlung (als Mono- oder Kombinationstherapie mit dem BCL2-Inhibitor Venetoclax) (Maitre et al. 2019).

Das könnte Sie auch interessieren

Karriere

Als stark wachsendes innovatives medizinisches Labor sind wir immer auf der Suche nach klugen Köpfen, die uns helfen, Patienten auf der ganzen Welt die bestmögliche Diagnostik zu ermöglichen.

Mehr erfahren

Service

Sie haben Fragen zur Probeneinsendung, zu durchgeführten Analysen oder zum Befund? Hier finden Sie Kontaktdaten, Ansprechpartner und unsere FAQs mit den am häufigsten gestellten Fragen.

Mehr erfahren

Qualitätsmanagement

Bereits seit 2009 sind wir nach nationalen und internationalen Normen zertifiziert und erhalten seitdem diese Akkreditierungen erfolgreich aufrecht.

Mehr erfahren