Blastische plasmozytoide dendritische Zellneoplasie (BPDCN)

  • Methode:
  • Antikoagulans:
  • Empfehlung:
  • Methode:
    Zytomorphologie
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Immunphänotypisierung
  • Antikoagulans:
    EDTA oder Heparin
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Chromosomenanalyse
  • Antikoagulans:
    Heparin
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    FISH
  • Antikoagulans:
    EDTA oder Heparin
  • Empfehlung:
    fakultativ
  • Methode:
    Molekulargenetik
  • Antikoagulans:
    EDTA oder Heparin
  • Empfehlung:
    obligat

Die Erkrankung blastische plasmozytoide dendritische Zellneoplasie (BPDCN) ist eine seltene, aggressiv verlaufende, maligne Erkrankung mit rascher systemischer Ausbreitung (Swerdlow et al. 2017). Die Erkrankung tritt vor allem bei älteren Erwachsenen auf, selten sind auch Kinder betroffen. Letztere zeigen mildere klinische Verläufe als Erwachsene (Jegalian et al. 2010). Die BPDCN macht lediglich ca. 0,4% aller hämatologischen Neoplasien aus (Bueno et al. 2004, Pagano et al. 2013), die genaue Inzidenz ist unbekannt, jedoch erkranken Männer dreimal häufiger als Frauen (Swerdlow et al. 2017).

Am häufigsten sind zunächst indolente Verläufe mit multiplen Hautläsionen. Die Hautmanifestation ist teilweise begleitet von einem Befall der Lymphknoten bzw. einer Knochenmarkbeteiligung. Das Ausmaß der Knochenmarkinfiltration variiert dabei stark und hat Zytopenien, insbesondere Thrombozytopenien, zur Folge (Feuillard et al. 2002, Pagano et al. 2013). Selten zeigen Patienten Beschwerden wie bei einer akuten Leukämie mit systemischer Ausprägung ohne Hautmanifestation (Rauh et al. 2012).

Klassifikation der BPDCN

Früher den akuten Leukämien zugeordnet, wird die BPDCN in der aktuellen WHO-Klassifikation 2017 als eigene Entität aufgeführt. Die BPDCN geht mit einer klonalen Proliferation von unreifen Vorläufern plasmozytoider dendritischer Zellen einher. Ob es sich hierbei um Zellen der myeloischen oder der lymphatischen Reihe handelt, wird seit Jahren kontrovers diskutiert (Sapienza et al. Cancers 2019). Die BPDCN kann auch in Zusammenhang mit anderen myeloischen Erkrankungen (CMMLMDS und AML) sowie therapieassoziiert nach Karzinomen und Lymphomen auftreten (Pagano et al. 2013, Swerdlow et al. 2017).

Diagnostische Methoden bei BPDCN

Prognose bei BPDCN

Obwohl die Mehrzahl der Patienten initial auf Chemotherapie anspricht, sind Rezidive sehr häufig und die Überlebenszeit ist mit durchschnittlich nur 12-14 Monaten kurz (Pagano et al. 2013, Menezes et al. 2014). Für die Prognose spielt das Ansprechen auf die Erstlinientherapie mit evtl. anschließender hämatopoetischer Stammzelltransplantation eine wichtige Rolle. Wird mit der Erstlinientherapie eine komplette Remission erreicht, so dass eine Transplantation erfolgen kann, verlängert sich das Gesamtüberleben deutlich (Garnache-Ottou et al. 2019).

Therapie bei BPDCN

Bis heute wurde keine standardisierte Therapie der Erkrankung BPDCN etabliert. Derzeit werden für intensiv therapierbare Patienten sowohl Chemotherapieprotokolle myeloischer als auch lymphatischer akuter Leukämien (in Einzelfällen auch analog Lymphom-Protokolle) ggf. gefolgt von einer allogenen Stammzelltransplantation angewandt (Pagano et al. 2013, Aoki et al. 2015, Swerdlow et al. 2017, Tzankov et al. 2017). Auch eine konsolidierende autologe Stammzelltransplantation scheint erfolgversprechend (Aoki et al. 2015). In einer retrospektiven Studie über einen Untersuchungszeitraum von 2000-2013 in Frankreich konnten 86 BPDCN-Patienten analysiert werden. Die Studie zeigte, dass das Erreichen einer kompletten Remission in der Erstlinientherapie, gefolgt von einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation in der ersten Remission, die Prognose hinsichtlich des Gesamtüberlebens deutlich verbessert. Dieser Zustand wurde am häufigsten nach Erstlinientherapie mit AML-/ALL-ähnlichen Therapien sowie Methotrexat mit Asparaginase erreicht. Der Effekt einer Zweitlinientherapie (inkl. allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation) stellte sich hingegen als gering dar. Die Toxizität AML-/ALL-ähnlicher Therapien bei älteren Patienten stellt jedoch eine große Herausforderung dar und scheint bei einer Behandlung mit Methotrexat mit Asparaginase geringer auszufallen (Garnache-Ottou et al. 2019).

Zielgerichte Ansätze könnten in Zukunft das therapeutische Arsenal bei der Erkrankung BPDCN erweitern. So stellt beispielsweise aufgrund seiner Überexpression der Interleukin-3 Rezeptor (CD123) ein geeignetes Ziel dar. Tagraxofusp, ein Fusionsprotein bestehend aus Diphterietoxin gekoppelt an IL3 (Frankel et al. 2014), wurde nach einer Phase II Studie von der FDA (Pressemitteilung der FDA 2018) und im Januar 2021 auch in Europa (EMA 2021) zur Behandlung von BPDCN zugelassen. Unter Therapie mit Tagraxofusp wurden Ansprechraten von 90% bei zuvor unbehandeltem BPDCN bzw. 67% bei Patienten mit vorangegangener Therapie erzielt (Pemmaraju et al. 2019). IL3 bindet an CD123 auf der Oberfläche von Tumorzellen, wodurch das Diphterietoxin in die entsprechende Zelle internalisiert wird und dort den Zelltod induziert (Beziat & Ysebaert 2020).

Genexpressionsanalysen und immunhistochemische Analysen haben bei der BPDCN eine aberrante Aktivierung des NF-кB Signalwegs nachgewiesen (Sapienza et al. 2014, Renosi et al. 2021). Diese Gene könnten, wie bereits ex vivo und im Xenograft-Mausmodell erfolgreich getestet, in Zukunft eine weitere Zielstruktur für spezifische Therapien darstellen (Sapienza et al. 2014, Philippe et al. 2017).

In der präklinischen Prüfung befinden sich derzeit außerdem hypomethylierende Agenzien sowie BET-Inhibitoren (Ceribelli et al. 2016, Emadali et al. 2016, Lezama & Ohgami 2019, Sapienza et al. Haematologica 2019, Sapienza et al. Cancers 2019), in einer klinischen Phase I Studie wird darüber hinaus der Einsatz des BCL2-Inhibitors Venetoclax evaluiert (NCT03485547).

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