15 Jahre MLL Münchner Leukämielabor: auch ohne Feiern ein Jubiläum

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Am 1. August 2005 haben wir das MLL eröffnet. Von damals 29 Mitarbeitern sind wir jetzt bei über 200 angekommen, 180 Aktive.

Die Zahl der Proben im MLL und die Möglichkeiten der diagnostischen Methoden entwickelten sich in der Hämatologie in den letzten 15 Jahren parallel. Für uns wird die Diagnostik mit allen ihren Möglichkeiten und Notwendigkeiten immer spannender. Für die Patientinnen und Patienten und die behandelnden Ärzte nimmt die Bedeutung zu. Das gilt für die Beschreibung der Erkrankung und deren Risikoprofil bei Diagnose ebenso wie für die zahlenmäßig stark zunehmenden Verlaufsanalysen, die zur Therapiesteuerung beitragen. Die Gesamtzahl der Einsendungen ins MLL in den letzten 15 Jahren beträgt jetzt über 750.000.

Gerne hätten wir mit unseren Einsendern und mit unseren Mitarbeitern dies gebührend gefeiert. Aufgrund der aktuellen Situation wurden alle Planungen eingefroren, auch an dieser Stelle also lock down.

Es bleibt unser vorrangiges Ziel, allen Patientinnen und Patienten eine Diagnostik auf dem aktuellsten Stand, umfassend und in möglichst kurzer Zeit zur Verfügung zu stellen. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, die immer komplexer werdenden Befunde möglichst verständlich zu schreiben. Für Rückfragen und Hinweise zur Verbesserung unseres Services sind wir immer sehr dankbar!

Bei so vielen wichtigen Daten ist es aus unserer Sicht auch weiterhin eine zweite wichtige Aufgabe, diese wissenschaftlich auszuwerten und durch Vorträge und Publikationen das dabei entstehende Wissen zur Verfügung zu stellen. Für uns ergibt sich dadurch automatisch auch die Notwendigkeit, an keiner Stelle stehen zu bleiben und das Vorhandene als das Gegebene zu betrachten.

Unseren Einsendern gilt deshalb hier ein besonderer Dank: Wir brauchen an vielen Stellen Verlaufsparameter, auch zur Therapie der Patienten, um aus den Daten Vorträge und Publikationen zu machen. Sehr viele von Ihnen unterstützen uns dabei intensiv, auch immer unter Berücksichtigung des notwendigen Datenschutzes. Wir bedanken uns ganz herzlich für diese Unterstützung, die zukünftigen Forschungsansätzen, Guidelines und der Betreuung des einzelnen Patienten durch Publikationen zu Gute kommt.

Nicht nur wegen der weiter steigenden Fallzahlen sondern auch wegen der Fehlervermeidung kümmern wir uns um Automatisierung, und Digitalisierung zur Verbesserung des Workflows. Das Ganze ist seit 2009 in ein akkreditiertes Umfeld (ISO 15189) implementiert mit aktuell über 600 SOPs.

In der aktuellen Zeit spielen insbesondere die Bioinformatik, ihre Kenntnisse und Beiträge auch im MLL eine sehr große Rolle, sie ist essenziell für unsere Services und für die Weiterentwicklung des Labors. Wir haben deswegen zusätzlich auch an vielen Stellen schon jetzt die Implementierung von künstlicher Intelligenz im Rahmen von Forschungsprojekten etabliert, schrittweise in die Routine eingeführt und akkreditiert. Wir sehen dabei einen zusätzlichen Gewinn für die Validität der Befunde und erreichen gleichzeitig eine Verkürzung der Turn-around Zeiten. Alle diese Algorithmen helfen uns auch, Fehler zu minimieren. Vor Verwendung der Befunde aus diesen Algorithmen inklusive AI wird das Ergebnis in jedem Falle von unseren Hämatologen, den Wissenschaftlern und den zuständigen MTAs kontrolliert und final validiert.

Als Hämatologen und Molekularbiologen, die ein großes Team von extrem engagierten Mitarbeitern der unterschiedlichsten Berufe anleiten und so kooperativ zu einem Befundergebnis kommen, genießen wir den gemeinsamen Spirit unseres Labors. So können wir uns immer wieder Neues zum Ziel machen und letztlich den Aufbruch der ersten Jahre jedes Mal wieder neu empfinden und beleben.

Wir als Geschäftsführer sind darüber hinaus stolz, dass wir zum zweiten Mal in Folge zu Deutschlands TOP100 innovativsten Mittelständlern gewählt wurden und uns im Wettbewerb auch aus dieser Sicht platzieren konnten.

Wofür wir uns weiter engagieren wollen, ist, die Leukämiediagnostik von zum großen Teil Phänotyp-basierten Ansätzen zu mehr Genotyp-basierten Ansätzen voranzutreiben, auch entsprechend der WHO-Klassifikation und deren Weiterentwicklung. Weiterhin ist ein vorrangiges Ziel, die ablaufenden Prozesse noch weiter zu digitalisierten, zu automatisierten und insbesondere durch Algorithmen, inklusive der künstlichen Intelligenz, noch schneller und sicherer zu machen. Das im Bereich der Hämatologie vorhandene Wissen in jedem Einzelfall präsent zu haben und im Interesse des einzelnen Patienten anwendbar zur Verfügung zu stellen. Dies ist aus unserer Sicht nur mithilfe solcher Automatismen und der Verwendung von Algorithmen in Zukunft sinnvoll abzubilden.

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen als unseren Einsendern und mit unseren Mitarbeitern, die in hochqualifizierter Weise hier täglich unsere gemeinsame Aufgabe erfüllen:  See behind – go beyond!

Mit freundlichen Grüßen

C. Haferlach, T. Haferlach, W. Kern