Nutzen einer Biobank – für den Patienten und die Forschung

So befinden sich in unseren Gefrierschränken nicht nur das Material, das für die Routinediagnostik benötigt wird, sondern ca. 30% mehr an Patientenmaterial. In den letzten 13 Jahren haben sich ca. 1,2 Millionen Asservate von mehr als 500.000 Patientenproben gesammelt, die sich für die Extraktion von DNA und RNA eignen. Aus diesem Grund konnten wir in den letzten Jahren, als neue molekulare Marker bekannt wurden, auf Wunsch retrospektiv das Patientenmaterial molekulargenetisch untersuchen, für das bisher noch keine ausreichende Diagnose gestellt werden konnte und die neuesten Erkenntnisse direkt an unsere einsendenden Ärzte weitergeben. So konnte z.B. für eine Vielzahl von JAK2 negativen Patienten mit begründetem Verdacht auf eine Myeloproliferative Neoplasie durch die Ende 2013 bekanntgewordenen Mutation im CALR Gen die Erkrankung nachträglich bestätigt werden. Darüber hinaus können wir durch unsere eigene Forschung die großen Patientenkohorten nutzen, um neue Erkenntnisse zu validieren, mit klinischen Parametern korrelieren und Aussagen über die spezifische Diagnose und Prognose bei neuen Markern geben, die wir der Allgemeinheit dann durch unsere Publikationen zur Verfügung stellen.

Liconic – unser Lagersystem

Um der großen Anzahl an asservierten Zellen gerecht zu werden, wurde 2015 ein Einfrierroboter in Betrieb genommen (Liconic Instruments), der in Röhrchen mit 2D Barcodes die in der Probenaufarbeitung isolierten und in RLT gepufferten Zellen bei -80°C vollautomatisch einlagert. Die Barcodes werden direkt bei der Bearbeitung beim Eintreffen der Probe einem Patienten eindeutig zugeordnet und in unserem Laborinformationssystem mit dem Patienten verknüpft. Dadurch kann automatisiert bei Bedarf ein entsprechendes Asservat ausgelagert und Nukleinsäure extrahiert werden. Um die weitere Verarbeitung ebenso effizient zu gestalten, wurde im Frühjahr 2018 ein zweiter Liconic in Betrieb genommen, der nach der Extraktion der Nukleinsäuren die gewonnene DNA und cDNA bei -20°C ebenso in Röhrchen mit 2D Barcode lagert und automatisiert bei Bedarf auslagert und zur Verfügung stellt.

Viable Zellen

Neben der großen Anzahl an Patientenmaterial in Form von asservierten Zellen für die Nukleinsäureextraktion, lagern wir, sofern möglich, auch vitale Zellen (kryokonservierte Zellen) von Patienten ein. Hierzu ist jedoch eine große Anzahl an überschüssigen Zellen, die nicht für die Routinediagnostik benötigt werden, nötig, was nur für einen geringeren Anteil der Patienten in Frage kommt.

Zytomorphologische Ausstriche

Darüber hinaus lagert auch die Zytomorphologie die Objektträger aller bisherigen Patienten ein, sodass wir jederzeit weitere morphologische Aspekte an den Präparaten adressieren können. So haben sich in den letzten 13 Jahren ca. 650.000 Objektträger von mehr als 311.500 Patientenproben angesammelt, die einen wertvollen Beitrag für retrospektive morphologische Fragestellungen leisten.

Kontakt

Dr. rer. nat. Manja Meggendorfer, MBA

MLL Münchner Leukämielabor GmbH
Max-Lebsche-Platz 31
81377 München

T: +49 (0)89 99017-355

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