Sphärozytose und andere angeborene erythrozytäre Membrandefekte

Angeborene erythrozytäre Membrandefekte (Membranopathien) sind monogene Erkrankungen der Erythrozytenmembran, die auf Genvarianten und dadurch verursachten Defekten einzelner Membran- oder Zytoskelettproteine beruhen. Ihr bedeutenster Vertreter ist die hereditäre Sphärozytose, die häufigste Ursache für eine angeborene hämolytische Anämie in Nord- und Mitteleuropa.

  • Methode:
  • Antikoagulans:
  • Empfehlung:
  • Methode:
    Blutbild
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Immunphänotypisierung
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    PINK (AGLT)-Test
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Molekulargenetik
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    Je nach Vorbefund

Angeborene Membrandefekte: Übersicht

Die häufigste Membranopathie ist die hereditäre Sphärozytose (HS, Kugelzellenanämie). Mit einer Prävalenz von 1:2.500-5.000 stellt sie in Nord-und Mitteleuropa die häufigste angeborene hämolytische Anämie dar. HS wird überwiegend autosomal dominant vererbt (Onkopedia 2024). Ursächlich sind pathogene Varianten in den Genen für α-Spektrin (SPTA1), β-Spektrin (SPTB), Ankyrin-1 (ANK1), Bande 3 (SLC4A1) oder Protein 4.2 (EPB42) (Shen et al. 2024).

Neben der Sphärozytose sind weitere Vertreter dieser Krankheitsgruppe die hereditäre Elliptozytose mit einer Prävalenz von drei bis fünf Fällen pro 10.000 Individuen sowie die deutlich seltener auftretende hereditäre Pyropoikilozytose, die hereditäre Stomatocytose und die südostasiatische Ovalozytose. Sie stellen wichtige Differenzialdiagnosen innerhalb der Gruppe der hereditären Membranopathien dar (Mohandas 2018).

Klinisch präsentieren sich erythrozytäre Membranopathien in der Regel als chronische, meist normozytäre hämolytische Anämien mit variabler Ausprägung. Zu den Leitsymptome gehören zudem Splenomegalie, Ikterus, Retikulozytose, und eine erhöhte Prävalenz von Gallensteinen. Der Schweregrad reicht von asymptomatischen Verläufen bis zu ausgeprägten, transfusionspflichtigen Anämien (Eber 2023, Wörmann 2024). 

Angeborene Membrandefekte: Diagnose

Die Diagnosestellung einer HS erfolgt durch eine Kombination aus Blutbild, EMA- und AGLT-Test sowie molekulargenetischer Untersuchungen. Nach Ausschluss einer HS und weiterhin bestehendem Verdacht auf einen angeborenen erythrozytären Membrandefekt, ist die molekulargenetische Abklärung angezeigt.

Angeborene Membrandefekte: Therapie

Eine kausale Therapie des genetischen Defekts bei angeborenen Membrandefekten steht bislang nicht zur Verfügung. Bei der hereditären Anämie stellt die Splenektomie die zentrale symptomatische Therapiemaßnahme bei ausgeprägten Forme dar (Eber 2023, Wörmann 2024). Vor Splenektomie ist die Diagnosesicherung durch molekulargenetischen Nachweis der verursachenden pathogenen Variante empfohlen, da bei Differentialdiagnosen der hereditären Sphärozytose (z.B. Xerozytose) eine Splenektomie nicht den gewünschten Effekt erzielt, sondern mit einer erhöhten Komplikationsrate (u.a. Thrombosen) einhergeht und deshalb in diesen Fällen kontraindiziert ist.

Stand: Februar 2026