Nachbericht zur Fortbildung „Die neue WHO-Klassifikation“ am 27.7.2022 im MLL Münchner Leukämielabor

Nachdem vor kurzem in Leukemia (Khoury et al. Leukemia 2022, Alaggio et al. Leukemia 2022) die beiden Vorabpublikationen zur neuen WHO-Klassifikation („The 5th edition of the World Health Organization Classification of Haematolymphoid Tumours”) erschienen sind, nahm das MLL Münchner Leukämielabor dies zum Anlass für eine Weiterbildungsveranstaltung. Dort wurden in vier Expert:innenvorträgen die wichtigsten Neuerungen der Klassifikation zusammengefasst und für den diagnostischen Alltag aufbereitet. Die Veranstaltung stieß auf großen Zuspruch, sodass am Ende vor Ort 47 und virtuell 189 Teilnehmer:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Hybrid-Veranstaltung verfolgten.

Zunehmender Fokus auf Genetik

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Professor Haferlach berichtete zunächst Dr. med. Christian Pohlkamp über die künftige Rolle der Zytomorphologie und gab begleitend einen Überblick über Änderungen bei der Klassifikation myeloischer Neoplasien. Im Anschluss führte Dr. rer. nat. Martha-Lena Müller aus Sicht der Immunphänotypisierung durch den lymphatischen Teil der neuen WHO-Klassifikation. Anschließend lenkten Dr. rer. nat. Bettina Balk und Dr. rer. nat. Manja Meggendorfer die Aufmerksamkeit auf die weiter zunehmende Bedeutung zyto- und molekulargenetischer Befunde bei der Definition hämatologischer Entitäten und erläuterten das hierfür notwendige erweiterte diagnostische Methodenspektrum. Zum Abschluss führte Frau Professor Haferlach durch eine Podiumsdiskussion zu den Highlights. Hier wurden von Referent:innen und Publikum gemeinsam die Konsequenzen für den klinischen Alltag reflektiert. Rege Diskussionen entstanden unter anderem zu den neuen genetischen Definitionen für MDS und AML, zum Management genetisch definierter Entitäten wie CHIP und CCUS oder auch zur Bedeutung der Transkriptomanalyse bei Erkrankungen wie der ALL oder den myeloischen/lymphatischen Neoplasien mit Eosinophilie und Tyrosinkinase-Gen-Fusionen.

Gemeinschaftliches Fazit

Insbesondere molekulargenetische Methoden haben durch die neue WHO-Klassifikation einen immensen Bedeutungszuwachs erfahren. An dieser Stelle erfolgte auch der Verweis auf die Publikationen zu den neuen Scores zur Risikostratifikation bei MDS (IPSS-M, Bernard et al. NEJM Evidence 2022) und AML (ELN, Döhner et al. Blood 2022), wo sich ebenfalls eine deutliche Aufwertung molekulargenetischer Veränderungen niederschlägt. Entsprechend hat auch das MLL sein diagnostisches und methodisches Spektrum bereits angepasst (siehe Untersuchungsauftrag). Links zu den angesprochen Publikationen, Dias der Veranstaltung und andere Hinweise finden sich zum Download hier.

Wie geht es weiter?

Die komplette Beta-Version der neuen WHO Klassifikation erschien online am 3. August 2022. Das Erscheinen in finaler Druckversion wird für Ende 2022 erwartet. Aufgrund der regen Teilnahme an der Fortbildung ist eine Folgeveranstaltung am 16.11.2022 geplant, die sich im Hybridformat den relevantesten Aspekten der neuen WHO-Klassifikation tiefer widmen und auch die neuen Scoring-Systeme (s. o.) weiter beleuchten soll. Alle Infos zur Folgeveranstaltung finden Sie hier.

»Sie haben Fragen zum Artikel oder wünschen weitere Informationen zur Veranstaltung? Schreiben Sie mir gerne eine E-Mail.«

Dr. med. Christian Pohlkamp

Internist, Hämatologe und Onkologe
Leitung des Bereichs Zytomorphologie
Leitung des Bereichs Customer Care

T: +49 89 99017-150