Neue molekulargenetische Verlaufsdiagnostik: MRD-Monitoring bei DLBCL

25. Juni 2026

Das diffus großzellige BZellLymphom (DLBCL) ist die häufigste Form der aggressiven NonHodgkinLymphome im Erwachsenenalter. Trotz kurativer Therapieansätze mittels Immunchemotherapie bleibt das Risiko für Rezidive bestehen. Eine molekulare Verlaufsdiagnostik bietet das Potenzial, Risikopatientinnen und -patienten frühzeitig zu identifizieren, noch bevor klinische Symptome auftreten oder Veränderungen in der Bildgebung sichtbar werden. Hierfür bietet das MLL MVZ ab Juli 2026 einen neuen molekulargenetischen Assay zur Bestimmung der messbaren Resterkrankung (MRD) an.

Nachweis von in-Phase-Varianten – so funktioniert der MRD-Assay

Unser neu etablierter MRDAssay basiert auf dem Nachweis von in-Phase-Varianten (phased variants). Dabei handelt es sich um benachbarte Einzelnukleotidvarianten, die gemeinsam auf demselben Molekül auftreten. Die Analyse dieser Variantenkombinationen ermöglicht eine deutlich bessere Abgrenzung gegenüber dem Sequenzierhintergrund als die Untersuchung einzelner Varianten, wodurch eine Sensitivität von bis zu ~10⁻⁶ erreicht werden kann (Kurtz 2021, Krupka 2026). 

Schematische Darstellung des Unterschiedes zwischen Einzelnukleotid-Varianten (links) und in-phase Varianten (PV, rechts). Es ist statistisch sehr unwahrscheinlich, dass zufällige Sequenzierungsfehler in Kombination (in Phase) an derselben Stelle auftreten wie eine tumorspezifische, bereits bekannte Variante. Durch die Suche nach mindestens zwei bereits bekannten Varianten im selben Molekül lässt sich das Hintergrundrauschen nahezu vollständig unterdrücken, und jedes einzelne Signal kann als hochspezifischer Indikator für maligne Zellen herangezogen werden.

Erste Studien konnten bereits eine Überlegenheit dieses Ansatzes gegenüber der herkömmlichen PET-CT-Diagnostik zeigen (Roschewski 2025, Krupka 2026, Wang 2026). Ein weiterer Vorteil: Die Untersuchung ist nicht invasiv und ermöglicht eine engmaschige molekulare Verlaufskontrolle ohne wiederholte Strahlenexposition, wie sie bei PET-CT-Untersuchungen entsteht.

Anforderungen an das Probenmaterial

Für die MRD-Untersuchung werden zunächst die individuellen, patientenspezifischen in-phase Varianten bestimmt. Hierfür wird 30 ml peripherem Blut der Erstdiagnose benötigt, das in Streck®-Röhrchen abgenommen wurde, sowie ein Standard-Röhrchen mit zusätzlichen 10 ml peripherem Blut (EDTA oder Heparin). Ergänzend kann auch Tumorgewebe (FFPE) oder daraus isolierte DNA zur Bestimmung der in-Phase Varianten eingesendet werden.

In den folgenden Verlaufsuntersuchungen wird dann geprüft, ob die identifizierten Varianten weiterhin nachweisbar sind. Hierfür werden je 40 ml peripheres Blut in Streck®-Röhrchen benötigt.

Details im Überblick

Untersuchung

MRD-Monitoring bei diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) mittels Analyse patientenspezifischer in-Phase-Varianten

Verfügbarkeit

ab Juli 2026

Indikation

Molekulargenetische Verlaufsdiagnostik zur Bestimmung der messbaren Resterkrankung (MRD) bei DLBCL

Material Erstuntersuchung

30 ml peripheres Blut in Streck®-Röhrchen vor Therapiebeginn oder FFPE-Gewebe + 10 ml in EDTA oder Heparin Röhrchen

Material Verlaufskontrolle

40 ml peripheres Blut in Streck®-Röhrchen

Versand

Versand der Streck®-Röhrchen bei Raumtemperatur möglich

Vorteile

  • Hohe analytische Sensitivität von bis zu ~10⁻⁶
  • Engmaschiges molekulares Monitoring möglich
  • keine Strahlenexposition

Referenzen

Kurtz, D.M. et al. Enhanced detection of minimal residual disease by targeted sequencing of phased variants in circulating tumor DNA. Nat Biotechnol 2021:39, 1537–1547.

Roschewski, M. et al. Remission Assessment by Circulating Tumor DNA in Large B-Cell Lymphoma. J Clin Oncol 2025:43, 3652-3661.

Wang, S. et al. Prospective Validation of Circulating Tumor DNA Measurable Residual Disease After First-Line Therapy in Large B-Cell Lymphoma. J Clin Oncol 2026:44, 400-409.

Krupka, J.A. et al. Phased Variant–Supported Circulating Tumor DNA as a Prognostic Biomarker After First-Line Treatment in Large B-Cell Lymphoma: Findings From the DIRECT Study. J Clin Oncol 2026:44, 410-420.

Die Autorin

»Wenn Sie Fragen zu diesem Ansatz oder dem einzusendenden Untersuchungsmaterial haben, kontaktieren Sie mich gerne!«

Dr. rer. nat. Manuela Harloff

Wissenschaftlerin Molekulargenetik

T: +49 89 99017-349

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