MRD-Diagnostik bei AML:
Neue ELN-Richtlinien für Befundung und Therapiemonitoring
25. Juni 2026
Die Bestimmung der messbaren Resterkrankung (MRD) gehört heute zu den wichtigsten Instrumenten für die Prognoseabschätzung und Therapieplanung bei der akuten myeloischen Leukämie (AML). Ende 2025 veröffentlichte die AML-MRD-Arbeitsgruppe des European LeukemiaNet (ELN) aktualisierte Empfehlungen für intensiv behandelte Patientinnen und Patienten (Cloos 2025). Im Mittelpunkt steht dabei die Erkenntnis, dass die optimale MRD-Diagnostik von den genetischen Veränderungen der Erkrankung abhängt und verschiedene diagnostische Verfahren kombiniert eingesetzt werden sollten.
MRD-Diagnostik bei AML erfordert mehrere Methoden
Die aktualisierten Empfehlungen unterstreichen erneut die hohe biologische Vielfalt der AML. Aufgrund dieser Heterogenität kann das Therapieansprechen in vielen Fällen nicht zuverlässig mit nur einer einzigen Methode überwacht werden. Stattdessen empfiehlt die ELN die Kombination zytogenetischer, molekulargenetischer und durchflusszytometrischer Verfahren, um im Verlauf die sensitivste MRD-Diagnostik zu ermöglichen.
Welche MRD-Methode eignet sich für welche genetische Veränderung?
Bereits bei Diagnosestellung spielt die genetische Charakterisierung der AML eine zentrale Rolle. Sie ermöglicht die Identifikation krankheitsspezifischer Marker, die später für die MRD-Diagnostik genutzt werden können. Welche Methode dabei eingesetzt werden sollte, hängt wesentlich von der zugrunde liegenden genetischen Veränderung ab.
Bei
Patientinnen und Patienten mit einer Core-binding-factor-(CBF-)AML mit den
Fusionstranskripten RUNX1::RUNX1T1 oder CBFB::MYH11,
bei akuter Promyelozytenleukämie (APL) mit PML::RARA sowie bei NPM1-mutierter
AML empfiehlt die ELN weiterhin die quantitative PCR (qPCR) als bevorzugte
Methode der MRD-Verlaufsdiagnostik.
MRD-Diagnostik bei AML: Welche Methode empfiehlt die ELN?
|
Genetischer Marker |
Empfohlene Methode |
|
RUNX1::RUNX1T1 |
qPCR |
|
CBFB::MYH11 |
qPCR |
|
PML::RARA |
qPCR |
|
NPM1-Mutation |
qPCR |
|
FLT3-ITD |
UHS-NGS |
|
Kein geeigneter Marker |
MFC-MRD |
Neue Bedeutung von FLT3-ITD für die MRD-Diagnostik
Eine
wichtige Neuerung der aktuellen ELN-Empfehlungen betrifft FLT3-ITD.
Liegt diese genetische Veränderung vor, kann sie für die MRD-Diagnostik genutzt
werden. Voraussetzung hierfür ist es, dass ein ultrahochsensitiver
Next-Generation-Sequencing-Assay (UHS-NGS) zur Verfügung steht.
Ein
entsprechender UHS-NGS-Assay ist seit April 2026 im MLL MVZ für die
Routinediagnostik verfügbar.
Multiparameter-Durchflusszytometrie bleibt ein wichtiger Baustein
Liegen
keine geeigneten genetischen Marker für die MRD-Diagnostik vor, empfiehlt die
ELN den Einsatz der Multiparameter-Durchflusszytometrie (MFC). Mithilfe
krankheitstypischer Immunphänotypen können sowohl die ursprüngliche
Leukämiepopulation als auch neu auftretende aberrante Blasten im Verlauf
erfasst werden. Moderne MFC-Panels mit mehr als zehn Markern ermöglichen dabei
eine hochspezifische Identifikation aberranter myeloischer und monozytärer
Zellpopulationen.
Neu
ist zudem die Einführung einer sogenannten Low-Level-MRD-Kategorie (MRD-LL).
Dabei werden Befunde zwischen 0,01 % und 0,1 % als potenzielles Warnsignal
ausgewiesen. Diese Kategorie ergänzt die bisherige Schwelle für MRD-Positivität
von ≥0,1 %.
Molekulare Marker ergänzen die MRD-Diagnostik
Zusätzlich
zur MFC können weitere molekulare Marker für die MRD-Diagnostik genutzt werden.
Im MLL MVZ werden diese mittels digitaler PCR (dPCR) oder ultrahochsensitivem
Next-Generation Sequencing (UHS-NGS) analysiert. Mit diesen Verfahren lassen
sich Sensitivitäten von 0,1 % oder darunter erreichen.
Besonders
nach der allogenen Stammzelltransplantation können solche molekularen Marker
wertvolle zusätzliche Informationen für die Verlaufskontrolle liefern.
ELN-Empfehlungen werden direkt in unseren Befunden berücksichtigt
Zu
den unterschiedlichen MRD-Technologien (qPCR, UHS-NGS, MFC) bzw. genetischen
Gruppen gibt es in den aktuellen Empfehlungen detaillierte Richtlinien, die
Zeitpunkt der MRD-Messung, MRD-Last sowie die klinische Interpretation
betreffen. Diese Richtlinien werden in unseren Befunden in Tabellenform zur
effizienten Befundinterpretation mitberichtet.
Die wichtigsten Neuerungen der ELN-Richtlinie 2025
- Die jeweilige genetische Veränderung bestimmt die optimale MRD-Methode
- qPCR bleibt Standard bei CBF-AML, APL und NPM1-mutierter AML
- FLT3-ITD kann mittels UHS-NGS für die MRD-Diagnostik
genutzt werden
- Einführung der neuen Kategorie „Low-Level-MRD (MRD-LL)“ als Warnsignal
- Kombination verschiedener MRD-Methoden wird ausdrücklich empfohlen
- ELN-basierte Interpretation wird direkt in den MLL MVZ-Befunden bereitgestellt
Referenz
Cloos J et al. 2025 update on MRD in
acute myeloid leukemia: a consensus document from the ELN-DAVID MRD Working
Party. Blood 2025; 147:1147-1167.
Der Autor

»Wenn Sie Fragen zu den MRD-Methoden haben, kontaktieren Sie mich gerne!«
Dr. rer. nat. Frank Dicker