Bedeutung

Das Monitoring der minimalen Resterkrankung (minimal residual disease, MRD) gewinnt zunehmend an klinischer Bedeutung bei Patienten mit Leukämien und Lymphomen. Während mit konventionellen Methoden wie der Zytomorphologie das prognostisch hoch relevante Erreichen einer kompletten Remission beurteilt werden kann, bieten Methoden wie die multiparametrische Durchflußzytometrie und die quantitative real-time PCR die Möglichkeit, bei Patienten in kompletter Remission die Menge residueller maligner Zellen genau zu quantifizieren. Das Ausmaß dieser MRD korreliert in vielen Fällen hochgradig mit dem weiteren Krankheitsverlauf und findet daher seine Rolle in der Steuerung einer risikoadaptierten Therapie.

Methodik

Mit Hilfe der Molekulargenetik gelingt es mittlerweile, für die meisten Patienten mit einer akuten Leukämie (AML und ALL) anhand von Genmutationen eine sehr sensitive Verlaufsdiagnostik zur Erfassung der „minimal residual disease“ (MRD) anzubieten. Lässt sich bei Diagnosestellung eine bestimmte Mutation oder Fusionsgen nachweisen, kann diese im Verlauf quantitativ gemessen und so nachverfolgt werden. In der Regel kommen hierfür Techniken wie quantitative real-time PCR, Nested-PCR, oder Next Generation Sequencing (NGS) mittels Deep Amplicon Sequencing zum Einsatz. Die Sensitivität der molekularen MRD-Diagnostik hängt von der jeweils untersuchten Mutation und der verwendeten Methode ab, sie ist aber der Zytomorphologie und auch der klassischen Zytogenetik in der Sensitivität in jedem Fall bei weitem überlegen.
Das molekulare Monitoring der MRD ist bei akuten Leukämien in vielen Fällen bereits Standard. Hierzu zählen die


•    Akute Promyelozytenleukämie mit PML-RARA-Rearrangement,
•    AML mit inv(16)/CBFB-MYH11 oder t(8;21)/RUNX1-RUNX1T1
•    NPM1 positive AML mit NPM1 Mutation
•    Philadelphia- bzw. BCR-ABL1-positiver ALL.

Auch bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) hat die molekulare MRD-Diagnostik anhand von real-time PCR einen zentralen Stellenwert für die Steuerung der Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren.
Darüber hinaus ist die molekulare MRD-Bestimmung sehr hilfreich für die Indikationsstellung zur allogenen Stammzelltransplantation bei Patienten mit einer akuten Leukämie, welche eine zytomorphologische Remission erreicht haben (etwa bei unzureichender molekularer „Response“ oder bei molekularem Rezidiv der Erkrankung).

MRD mittels Immunphänotypisierung

Bei akuten Leukämien sind Leukämie-assoziierte aberrante Immunphänotypen (LAIPs) nachweisbar, die in dieser Konstellation auf den Zellen des normalen Knochenmarks nicht oder nur sehr selten vorkommen. Diese werden eingeteilt in:

 

  • „Cross-lineage“-Expression lymphatischer Marker bei der AML (z.B. CD19-positive AML) bzw. myeloischer Marker bei der ALL (z.B. CD33-positive ALL)
  • Asynchrone Antigenexpression (gleichzeitige Expression unreifer Marker mit reifen Markern, z.B. CD34- und CD11b-positive AML)
  • Fehlende Antigenexpression (z.B. HLA-DR-negative AML)
  • Antigenüberexpression (z.B. CD33++CD34++ AML)


Von zentraler Bedeutung für die korrekte Identifizierung eines LAIP und damit für die MRD-Quantifizierung ist die genaue Kenntnis des Immunphänotyps im normalen Knochenmark und der Vergleich mit demselben. Da in vielen Fällen die Expressionsstärke eines bestimmten Antigens den LAIP charakterisiert und diese sich zwischen verschiedenen Fällen sehr unterscheidet, ist es erforderlich, für jeden Patienten einen oder mehrere LAIPs individuell zu definieren. Um die MRD-Untersuchung zu ermöglichen, ist es somit unabdingbar, zum Zeitpunkt der Diagnosestellung den LAIP individuell zu erfassen. Für die Detektion eines LAIP ist insbesondere bei der AML die Verwendung eines umfangreichen Panels von Antikörpern notwendig, um auch seltene LAIPs identifizieren und für spätere Verlaufsuntersuchungen zur Verfügung zu stellen.

Kontakt

Dr. rer. nat. Manja Meggendorfer, MBA

MLL Münchner Leukämielabor GmbH
Max-Lebsche-Platz 31
81377 München

T: +49 (0)89 99017-355

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