„Klongröße“ bringt neue Präzision in die Prognose bei Myelodysplastischen Neoplasien
25. September 2025
Neue Horizonte in der Leukämieforschung: Ausgewählte Paper im Fokus
Eine neue Studie mit mehr als 1000 Patientinnen und Patienten zeigt, dass die bislang oft wenig beachtete Größe des genetischen Klons, also der Anteil erkrankter Zellen, im Knochenmark wichtige Zusatzinformationen zu Krankheitsverlauf, Therapieansprechen und Überleben bei Myelodysplastischen Neoplasien liefert. Ab einer Klongröße von 25 Prozent steigt das Progressionsrisiko deutlich an – unabhängig von den etablierten Risikomodellen.
Eine groß angelegte Untersuchung am Moffitt Cancer Center mit 1001 Patientinnen und Patienten zeigt: Der Anteil erkrankter Zellen im Knochenmark, die sogenannte zytogenetische Klongröße, liefert entscheidende Zusatzinformationen zu Krankheitsverlauf und Therapieansprechen bei Myelodysplastischen Neoplasien (MDS). Erstmals konnte in diesem Umfang nachgewiesen werden, dass bereits ab einem Anteil von 25 % an erkrankten Zellen, also einer Klongröße von 25 %, das Überleben und das Risiko einer Leukämieentwicklung signifikant zunehmen – unabhängig von etablierten Risikomodellen.
Die bisher etablierten Risikomodelle für MDS, wie der revidierte Internationale Prognose-Score (IPSS‑R) oder der molekulare Internationale Prognose-Score (IPSS‑M), bewerten Chromosomenveränderungen in der Regel ausschließlich nach ihrer bloßen Anwesenheit. Die Größe des genetischen Klons blieb bislang meist unberücksichtigt.
Studienergebnisse im Detail
Methodik:
Mittels Karyotypisierung und Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) wurde der Anteil an Zellen mit spezifischen Chromosomenaberrationen bestimmt. Analysiert wurden sechs häufige MDS-assoziierte Veränderungen, darunter del(5q), del(7q)/ 7, Trisomie 8, del(20q), Veränderungen von Chromosom 3 und komplexe Karyotypen (≥3 Aberrationen). Die Forschergruppe prüfte Zusammenhänge zwischen Klongröße, Blutwerten, Mutationsprofil (insbesondere TP53) und Therapieansprechen.
- Klinische Korrelationen: Die Klongröße korrelierte mit dem Schweregrad der Anämie und der Thrombozytose bei del(5q)-Fällen sowie mit Anämie und dem Blastenanteil bei komplexen Karyotypen.
- Genetik: TP53 Mutationen waren deutlich häufiger bei Klongrößen ≥25 % (34,2 % vs. 3 %).
- Therapieansprechen: Bei komplexen Karyotypen sprachen Patientinnen und Patienten mit sehr großen Klonen (≥75 %) signifikant besser auf hypomethylierende Substanzen an.
- Prognose: Ein Schwellenwert von ≥25 % Klongröße erwies sich als unabhängiger Risikofaktor für kürzere Gesamtüberlebens- (OS) und leukämiefreie Überlebenszeit (LFS) – unabhängig von IPSS R und IPSS M.

Die Daten sprechen dafür, dass die Klongröße künftig in die Risikoeinschätzung einbezogen werden sollte. Sie könnte helfen, Patientinnen und Patienten präziser zu stratifizieren und Therapieentscheidungen zu verbessern – insbesondere dort, wo keine umfassende molekulare Diagnostik möglich ist.
Fazit:
Die Studie liefert eine umfassende Analyse zur prognostischen Bedeutung der zytogenetischen Klongröße bei MDS. Ein Schwellenwert von 25 % erweist sich als klinisch relevant, beeinflusst Überleben und Krankheitsprogression und ergänzt bestehende Prognosemodelle. Zukünftige Risikoscores könnten durch die Berücksichtigung dieses Schwellenwertes genauer und personalisierter werden.
Quelle
Xie Z et al. Clinical correlation and prognostic impact of cytogenetic clone size for myelodysplastic syndromes/neoplasm. Blood Neoplasia 2025;2(2):100062. Clinical correlation and prognostic impact of cytogenetic clone size for myelodysplastic syndromes/neoplasm - ScienceDirect
Die Autorin

»Bei weiteren Fragen zu dieser Studie kontaktieren Sie mich gerne!«
Dr. rer. nat. Constanze Kühn