Enzymmangel in Erythrozyten: Pyruvatkinase (PK)- und Glukose-6-Phosphatdehydrogenase (G6PD)-Mangel

Angeborene Enzymdefekte der Erythrozyten (Enzymopathien) stellen eine wichtige Untergruppe der hereditären hämolytischen Anämien dar und führen durch Störungen zentraler Stoffwechselwege zu schubweise akuten oder chronisch verlaufenden Hämolysen. 

  • Methode:
  • Antikoagulans:
  • Empfehlung:
  • Methode:
    Blutbild
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Molekulargenetik: PK
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    obligat
  • Methode:
    Molekulargenetik: G6PD
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    empfohlen
  • Methode:
    Enzymaktivitätsmessung: PK
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    fakultativ
  • Methode:
    Enzymaktivitätsmessung: G6PD
  • Antikoagulans:
    EDTA
  • Empfehlung:
    empfohlen

Enyzmmangel in Erythrozyten: Übersicht

Angeborene Enzymdefekte der Erythrozyten beruhen auf genetischen Veränderungen, die die katalytische Aktivität und Substrataffinität zentraler Enzyme der Glykolyse, des Redox- und Nukleotidstoffwechsels beeinträchtigen und so zu einer hämolytischen Anämie führen.

Zu den klinisch wichtigsten Enzymopathien zählen der Pyruvatkinase-(PK)-Mangel und der Glukose-6-Phosphatdehydrogenase-(G6PD)-Mangel, daneben sind mindestens 14 weitere angeborene Enzymdefekte beschrieben, die vor allem Enzyme der Glykolyse, Redox-Reaktionen oder des Nukleotidmetabolismus betreffen.

Diese weiteren Enzymdefekte werden meist bereits im Kindesalter symptomatisch und sind insgesamt deutlich seltener als PK- und G6PD-Mangel.

Pyruvatkinase-Mangel (PK)

PK-Mangel ist der weltweit häufigste angeborene Defekt, der zu einer chronischen, nicht sphärozytären hämolytischen Anämie führt. Die Prävalenz wird auf 0,3-5:100.000 geschätzt. Die Vererbung ist autosomal-rezessiv und es sind über 300 klinisch relevante Varianten im PKLR-Gen beschrieben (Al-Samkari et al. 2024).

Klinisch reicht die Präsentation von milden, asymptomatischen Formen bis hin zu lebensbedrohlichen, transfusionsabhängigen Anämien. Die Gesamtsterblichkeit ist erhöht (Al-Samkari et al. 2024, Bianchi et al. 2019).

Glukose-6-Phosphatdehydrogenase-(G6PD)-Mangel

Auch der G6PD-Mangel gehört zu den häufigsten genetischen Erkrankungen. Die Zahl der Betroffenen wird weltweit auf etwa 500 Millionen geschätzt. Es handelt sich um einen Xchromosomal vererbten Enzymdefekt (Luzzatto et al. 2020). Hemizygote Männer und homozygote Frauen können symptomatisch werden, während heterozygote Frauen häufig klinisch unauffällig bleiben. Es sind über 230 klinisch relevante Varianten des G6PD-Gens bekannt; der Grad der residualen Enzymaktivität bestimmt wesentlich die Schwere der klinischen Manifestation (Luzzatto et al. 2024).

Ein G6PD-Mangel verläuft häufig asymptomatisch, kann sich aber in Form eines Neugeborenenikterus, einer akuten hämolytischen Anämie (AHA) oder – selten – einer chronischen, nicht-sphärozytären hämolytischen Anämie (CHA) manifestieren. Auslöser einer AHA sind typischerweise Situationen mit erhöhtem oxidativem Stress, etwa die Aufnahme von Fava-Bohnen, bestimmte Medikamente (u. a. Antimalariamittel) oder Infektionen (Luzzatto et al. 2020).

Andere angeborene Enzymdefekte

Neben PK- und G6PD-Mangel sind mindestens 14 weitere angeborene Enzymopathien beschrieben, die zu einer hämolytischen Anämie führen können. Betroffen sind insbesondere Enzyme der Glykolyse, Redox-Reaktionen und des Nukleotidmetabolismus; die Manifestation erfolgt häufig bereits im Kindesalter (Luzzatto et al. 2021).

Enyzmmangel in Erythrozyten: Diagnose

Die Diagnosestellung eines erythrozytären Enzymmangels beruht auf der Kombination aus einem klinischen Bild einer hämolytischen Anämie, konventioneller Laborbasisdiagnostik, funktioneller Enzymaktivitätsbestimmung und molekulargenetischer Testung.

Enyzmmangel in Erythrozyten: Therapie

Während die Therapie von G6PD-Mangel überwiegend aus der Vermeidung der Hämolyse auslösenden Ursache besteht, steht für den PK-Mangel mit der Einführung von Mitapivat, einem gezielten Aktivator der Pyruvatkinase, eine neue medikamentöse Therapieoption zur Verfügung, die bereits auch in internationalen Leitlinien berücksichtigt ist (Al-Samkari et al. 2024).

Stand: Februar 2026