Erweitertes Diagnostikangebot: Membran- und Enzymopathien im Fokus

25. März 2026

Erkrankungen der klassischen Hämatologie umfassen u.a. hereditäre Anämien, familiäre Erythrozytosen und zyklische Neutropenien. Zu den häufigsten Erkrankungen in diesem Spektrum zählen Hämoglobinopathien (wie Thalassämien und Sichelzellerkrankung), Membranopathien (z. B. hereditäre Sphärozytose) sowie Enzymopathien (z. B. Pyruvatkinase- und G6PD-Mangel).

Bereits seit Anfang 2023 ist die Diagnostik von Hämoglobinopathien fester Bestandteil unseres Leistungsspektrums. Dieses Angebot erweitern wir nun gezielt um zusätzliche Untersuchungen. Neu hinzugekommen sind diagnostische Verfahren zu Membranopathien und Enzymopathien.

Membranopathien (hereditäre Sphärozytose und verwandte Defekte)

Für den Nachweis einer hereditären Sphärozytose empfehlen die aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und Onkopedia [1,2] die Kombination aus durchflusszytometrischem EMA-Test und einem Verfahren zur Bestimmung der osmotischen Fragilität von Erythrozyten (z. B. AGLT- / PINK-Test). Den PINK (AGLT) -Test bieten wir seit März standardmäßig bei entsprechender Fragestellung eines Erythrozytenmembrandefekts an.

Bei unklaren oder negativen Ergebnissen und weiterhin bestehendem klinischem Verdacht kann eine molekulargenetische Untersuchung zur Identifikation ursächlicher genetischer Varianten angeschlossen werden. Eine genetische Diagnosesicherung ist insbesondere im Vorfeld therapeutischer Maßnahmen, wie beispielsweise einer Splenektomie, von Bedeutung.

Enzymopathien (Pyruvatkinase- und G6PD-Mangel)

Der Nachweis eines Pyruvatkinasemangels erfolgt primär molekulargenetisch entsprechend aktueller internationaler Expertenleitlinien [3]. Bei unklaren genetischen Befunden kann die ergänzende Bestimmung der Enzymaktivität in aufgereinigten Erythrozyten zusätzliche diagnostische Hinweise liefern.

Für den G6PD-Mangel bieten wir sowohl die Messung der Enzymaktivität als auch die molekulargenetische Analyse des G6PD-Gens an. Die kürzlich von der WHO veröffentlichte G6PD-Klassifikation [4] unterstützt dabei die strukturierte Interpretation genetischer Varianten.

Wichtiger Hinweis zur Präanalytik: Bitte beachten Sie, dass Enzymmessungen durch präanalytische Bedingungen (z. B. Transportzeit, Probenstabilität) sowie durch pathophysiologische Faktoren (z. B. Retikulozytose bei Hämolyse) beeinflusst werden können. Dies ist bei der Befundinterpretation zu berücksichtigen. 

Ganzgenomsequenzierung bei komplexen Fragestellungen

Bei weiterhin ungeklärten Fällen mit Verdacht auf angeborene Anämien bieten wir aktuell im Rahmen einer Studie im Genomnetzwerk Hämatologie [5] eine Ganzgenomsequenzierung (WGS) zur umfassenden Ursachensuche an. Erste Auswertungen zeigen, dass bei mehr als einem Drittel der eingeschlossenen Patientinnen und Patienten krankheitsverursachende Varianten mithilfe der WGS identifiziert werden konnten.

Dieser Ansatz entspricht aktuellen nationalen WGS-Initiativen, die zeigen, dass eine umfassende, unvoreingenommene Genomanalyse den diagnostischen Weg deutlich verkürzen und sowohl bekannte als auch neue krankheitsverursachende Varianten identifizieren kann. Durch die Integration dieser Methoden in die Routinediagnostik möchten wir die diagnostische Trefferquote erhöhen und eine präzisere genetische Beratung sowie Therapieempfehlung ermöglichen.

Probenanforderungen und praktische Hinweise

Für funktionelle Untersuchungen (PINK-Test, PK- und G6PD-Aktivität) werden je 5 mL EDTA-Blut benötigt. Die Proben sollten innerhalb von 48 Stunden nach Entnahme im Labor eintreffen. Für ergänzende molekulargenetische Analysen werden zusätzliche 5 mL EDTA-Blut benötigt.

Wichtiger Hinweis: Bitte legen Sie allen Zusendungen eine von ihrer Patientin oder ihrem Patienten unterzeichnete Einverständniserklärung nach GenDG bei, da bei einem Großteil der Fragestellungen eine genetische Abklärung indiziert ist.

Weitere Informationen

Mit der Erweiterung unseres diagnostischen Spektrums
unterstützen wir Sie künftig noch gezielter bei der differenzialdiagnostischen
Abklärung angeborener Anämien. Für fachliche Rückfragen oder zum diagnostischen
Vorgehen steht Ihnen Dr. Dr. med. Armin Piehler gern zur Verfügung.
Weiterführende Informationen finden Sie zudem auf unserer Website.  

Der Autor

»Für Fragen zur Erweiterung unseres diagnostischen Spektrums oder zur klassischen Hämatologie stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.«

Dr. Dr. med. Armin Piehler, PhD MM

Bereichsleitung Klassische Hämatologie

T: +49 89 99017-357

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