Verantwortungsvoller Wandel in der hämatologischen Diagnostik, Therapie und Forschung
Der MLL MVZ Jahresrückblick 2025
16. Dezember 2025
Infrastruktur und Services: Wege verkürzen, Abläufe sichern
Besonders sichtbar wurde
dieser Anspruch im neuen, hochautomatisierten Probeneingang des MLL MVZ. Mit seiner Inbetriebnahme haben wir im Frühjahr 2025
das Herzstück unserer täglichen Arbeit neu aufgestellt. Proben werden nun noch
schneller registriert, sortiert und in die diagnostischen Bereiche überführt,
jeder Schritt ist digital nachvollziehbar, und viele manuelle Tätigkeiten
wurden durch automatisierte Abläufe abgelöst. Das erhöht nicht nur Tempo und
Kapazität, sondern vor allem die Prozesssicherheit und verschafft unseren Teams
mehr Zeit für die Aufgaben, in denen ihre Erfahrung und diagnostische
Urteilskraft gefragt sind.
Einen weiteren solchen Baustein
bildet der Probentransportservice, den wir 2025 konsequent weiter ausgebaut
haben. Schritt für Schritt wurden inzwischen rund 220 einsendende Praxen und Kliniken
angebunden und insgesamt 50 % aller eingehenden Proben auf diesem Weg
transportiert. Die Proben dieser Einrichtungen werden mit diesem Service vor
Ort abgeholt und am nächsten Tag bis 7:00 Uhr bei uns angeliefert. Für unsere
Partnerinnen und Partner bedeutet das: verlässliche Zeitfenster für Abholung
und Lieferung, klare Ansprechpersonen und mehr Planungssicherheit im
Versorgungsalltag. Der Service wächst damit in genau jene Richtung, die wir uns
vorgenommen haben: näher an den Bedarf unserer einsendenden Kolleginnen und
Kollegen, sowie der Patientinnen und Patienten, eingebettet in regionale
Versorgungsstrukturen und mit der Perspektive, mittelfristig noch mehr
Standorte zu erreichen.
Parallel dazu haben wir
unsere digitalen Kommunikationswege geschärft. Mit der umfassenderen Etablierung
von KIM-Mail– der Kommunikation im Medizinwesen – zum
letzten Jahreswechsel können Befunde und Dokumente nun über einen
standardisierten, sicheren Kanal direkt in die Systeme unserer Einsender
integriert werden. KIM ist damit ein weiterer Schritt hin zu einer tatsächlich
vernetzten Versorgung, in der Informationen nicht mehr an Systemgrenzen
scheitern, sondern dort ankommen, wo sie für die Versorgung benötigt werden.
Neue diagnostische Meilensteine und Erkenntnisse: Präzision in der Tiefe
Neben der Verbesserung von
Wegen und Prozessen stand 2025 im Zeichen vielfältiger neuer und vertiefter
diagnostischer Angebote. Sie alle haben ein gemeinsames Ziel: noch präzisere
Aussagen zu Krankheitsrisiken, Krankheitsverläufen und Therapieoptionen zu
ermöglichen.
Ein Schwerpunkt lag auf
Patientinnen und Patienten mit klonalen Zytopenien. Ein neuer Score zur Risikovorhersage wurde in die Befundung implementiert und hilft,
die Betroffenen differenzierter einzuschätzen, Progressionsrisiken besser zu
erkennen und Kontrollen sowie therapeutische Entscheidungen fundierter zu
planen. Auch bei myelodysplastischen Neoplasien konnten wir die Prognosemodelle weiter schärfen: Eine neue Studie zeigt, dass
die bislang oft wenig beachtete Größe des genetischen Klons, also der Anteil
erkrankter Zellen im Knochenmark, wichtige Zusatzinformationen zu
Krankheitsverlauf, Therapieansprechen und Überleben bei Myelodysplastischen
Neoplasien liefert.
Im Bereich der Akuten
Myeloischen Leukämie (AML) haben wir das molekulare Monitoring weiter ausgebaut. Standardisierte Strategien
zur MRD-Diagnostik (entsprechend den im Dezember veröffentlichten neuen ELN-Richtlinien),
die Einbindung neuer Marker und die systematische Auswertung von Verlaufsdaten
tragen dazu bei, Therapiepfade noch stärker an der individuellen
Krankheitsdynamik auszurichten – von der Erstdiagnose bis zur Nachsorge.
Gleichzeitig haben wir mit
Fokus auf personalisierte Therapien gezielt unser diagnostisches Angebot erweitert,
etwa mit unserem neuen Assay zur UGT1A1-Genotypisierung. Dieser
spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnostik des Morbus Meulengracht sowie in
der Pharmakogenetik bei medikamenteninduzierter Toxizität (z. B. Irinotecan,
Nilotinib). Dass solche pharmakogenetischen Fragestellungen ihren Platz in
unserem Portfolio finden, zeigt, wie breit moderne hämatologische Diagnostik
heute aufgestellt sein muss.
Nicht zuletzt bleibt ein
besonderes Augenmerk auf seltenen oder komplexen Fällen. Untersuchungsmethoden
jenseits aller Standardanforderungen. Spezielle Färbungen und Analysen sowie
interdisziplinäre Fallkonferenzen machen deutlich, dass diagnostische Exzellenz
gerade dort gefragt ist, wo Routine nicht ausreicht. Hier verbinden wir die Möglichkeiten
hochstandardisierter Abläufe mit der Bereitschaft, für jede Patientin und jeden
Patienten individuelle Wege zu gehen.
Ein weiterer Schritt in
diese Richtung war der Start unserer Whole-Genome-Sequencing-Studie zu seltenen Anämien. Ziel ist es, mithilfe
umfassender Genomdaten die genetische Ursache bisher nicht erklärter Anämien schneller
und zuverlässiger zu identifizieren. Forschung und Versorgung greifen hier
direkt ineinander: Die Erkenntnisse sollen zukünftige Diagnostikpfade verkürzen
und den behandelnden Ärztinnen und Ärzten mehr Sicherheit in der Betreuung
dieser Patientengruppen geben.
Der Versand unseres
3-millionsten Befundes seit Gründung 2005 und die inzwischen eine Million
bearbeiteten Proben in der Molekulargenetik unterstreichen, wie eng Kontinuität
und Innovation im Alltag unseres Labors miteinander verbunden sind.
Forschung und wissenschaftliche Präsenz: Austausch auf vielen Bühnen
Dass Diagnostik bei uns
immer auch Forschung „mitdenkt“, zeigte sich 2025 erneut in einer Vielzahl
wissenschaftlicher Veranstaltungen, an denen das MLL MVZ beteiligt war – als
Organisator, Gastgeber, Vortragender oder mit Beiträgen, die Preise erhielten.
Den Auftakt bildeten Ende
Februar das 21. ELN- und 24. KNL-Symposium 2025. Dort standen aktuelle
Entwicklungen der Leukämieforschung im Mittelpunkt – von MRD und NGS (next
generation sequencing) über zytogenetische Fragestellungen z.B. bei komplexen
Karyotypen und bei CHIP (klonale Hämatopoese mit unbestimmtem Potential). Für
uns war und ist das ELN eine wichtige Plattform, um eigene Daten vorzustellen
und zugleich im direkten Austausch mit der Community zu diskutieren, wohin sich
Leitlinien und diagnostische Standards entwickeln.
Nur wenige Wochen später
folgte im März in Wien die vierte ESH-Konferenz „How to Diagnose and Treat:
CML/MPN“. Die Tagung schlug den Bogen von neuen Therapieoptionen über
Registerdaten bis zu der Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig in
der Diagnostik und Verlaufsbeurteilung bei chronischer myeloischer Leukämie (CML)
und myeloproliferative Neoplasien (MPN) spielen kann. Unsere Beiträge zu
Chancen, Grenzen und praktischen Einsatzszenarien von KI in der Hämatologie
fanden hier ein sehr interessiertes Publikum.
Vom 7. bis 9. Mai 2025 waren
wir beim 38. International Symposium for Technological Innovations in Laboratory
Hematology (ISLH) in Halifax. Im Zentrum
standen dort technologische Labor-Innovationen, Automatisierung und
KI-Anwendungen in der Laborhämatologie. Besonders gefreut hat uns, dass Dr. Dr.
Armin P. Piehler für die Arbeit zur machine-learning-basierten
Thalassämie-Vorhersage mit dem Carol Briggs Top Scoring Abstract Award
ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung unterstreicht, welches Potenzial in der
Verbindung von Routinedaten, moderner Statistik und KI-Methoden steckt – und
wie sehr sich diese Ansätze bereits in der Praxis bewähren.
Im Juni traf sich die
internationale Hämatologie-Community beim Kongress der European Hematology
Association (EHA) in Mailand. Dort standen unter anderem neue Entwicklungen in
der AML-MRD-Diagnostik, Leitlinienfragen und die Rolle künstlicher Intelligenz
in der Morphologie im Mittelpunkt. Der EHA-Kongress bot uns erneut eine
wichtige Plattform, um eigene Projekte vorzustellen – etwa zur automatisierten
Analyse myeloischer Vorläuferzellen – und zugleich den Dialog über zukünftige
Standards in der hämatologischen Diagnostik mitzugestalten.
Anfang Juli fand bei uns in
München die INSTAND-Fortbildung „Moderne Diagnostik von Leukämien und
Lymphomen“ statt. An zwei intensiven Tagen wurden zentrale Verfahren von der
Zytomorphologie über die Immunphänotypisierung bis hin zur Molekulargenetik
diskutiert und in Laborführungen greifbar gemacht.
Beim PhD-Lab-Kurs
„Hematologic Malignancies“ im Rahmen des Medical Faculty PhD Program der
Technischen Universität München konnten die Doktorandinnen und Doktoranden –
wie in jedem Semester von uns an der TUM Technischen Universität München angeboten
– fünf Tage lang Einblicke in unsere Arbeit gewinnen, praktische Übungen
durchführen und mit unseren Teams über aktuelle Themen wie integrierte Befunde,
Genomsequenzierung und KI in der Diagnostik sprechen.
Im Herbst setzte sich der
wissenschaftliche Austausch nahtlos fort. Bei der Jahrestagung der Deutschen,
Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und
Medizinische Onkologie (DGHO) vom 24. bis 27. Oktober in Köln standen unter anderem
neue Erkenntnisse zu AML, CLL und myeloproliferativen Neoplasien sowie zur
MRD-Diagnostik im Fokus. Besonders gefreut hat uns die Auszeichnung von Dr.
Veronika Ecker für ihr Poster zur kombinierten genetischen und phänotypischen
Analyse von NPM1-mutierter AML – ein
Preis, der stellvertretend für die enge Verzahnung von Immunphänotypisierung
und Molekulargenetik am MLL MVZ steht.
Der internationale Blick auf
die Onkologie-Diagnostik prägte die 47. Jahrestagung der International Society
of Oncology and Biomarkers (ISOBM), die vom 13. bis 16. Oktober in Murnau
stattfand. Unter dem Leitthema „A New Era of Biomarkers in Oncology“ wurden
Chancen und Grenzen von KI in der Diagnostik, die Bedeutung minimaler
Resterkrankung (MRD) als Therapieparameter, translationaler Biomarkerforschung
und Standardisierung in der Laboratoriumsmedizin diskutiert. Unsere Beiträge
machten deutlich, wie sehr wir uns für vergleichbare, harmonisierte
MRD-Konzepte und für evidenzbasierte Biomarker einsetzen.
Ein besonderes Jahr war 2025
auch für die internationale Zytometrie-Community. Beim International Clinical
Cytometry Society Meeting & Course (ICCS 2025) brachten wir unsere
Expertise zu regulatorischen und technischen Herausforderungen in der klinischen
Durchflusszytometrie ein. Die Themen reichten von Qualitätskontrolle über den
Umgang mit Laborentwicklungen (LDTs) bis zur Weiterentwicklung technischer
Standards. Mit der Wahl von Prof. Wolfgang Kern zum Präsidenten der ICCS wurde
zudem die Rolle des MLL MVZ in der internationalen Zytometrie eindrucksvoll
gewürdigt.
Auch auf dem amerikanischen
Kontinent war unsere Expertise erneut gefragt. Beim ASH Annual Meeting and
Exposition vom 6. bis 9. Dezember in Orlando standen unter anderem neue Ansätze
zur Detektion klonaler Evolution in zirkulierender Tumor-DNA, die Translation
von ctDNA-MRD-Konzepten in die Versorgung von B-Zell-Lymphomen sowie
bi-allelische TET2-Veränderungen bei NPM1-mutierter AML im
Mittelpunkt. Weitere Schwerpunkte lagen auf der MRD-Diagnostik anhand von
Phänotyp und Genotyp mithilfe der Durchflusszytometrie.
Die Zukunft im Blick: MLL MVZ Innovation Summit, Genomnetzwerk & Co.
Eigene Formate spielten
ebenfalls eine zentrale Rolle. Der MLL MVZ Innovation Summit am 10. und 11.
November brachte führende Köpfe aus Wissenschaft und Industrie bei uns im Haus zusammen.
Single-Cell-DNA-Methylierung, Long-Read-Sequenzierung und innovative
Omics-Ansätze waren hier ebenso Thema wie praktische Anwendungsszenarien und
Kooperationen mit Industriepartnern. Ende November schloss sich die
Fortbildungsveranstaltung „Der diagnostische Blick ins Mikroskop – Hämatologie
in Zusammenschau von Klinik, Diagnostik und Therapie“ an, die Zytomorphologie,
Immunphänotypisierung und Molekulargenetik in einem CME-zertifizierten Kurs
bündelte.
Eine wichtige Zukunftsinitiative
bleibt weiterhin das von uns initiierte Genomnetzwerk Hämatologie, das sich
2025 erneut zu mehreren Arbeitstreffen zusammenfand. Im Mittelpunkt standen
aktuelle Projekte zur Genommedizin sowie gemeinsame Vorhaben für die kommenden
Jahre. Das Netzwerk verfolgt das Ziel, Daten aus Forschungsprojekten und
Patientenversorgung so zusammenzuführen, dass daraus eine wissensgenerierende,
personalisierte Versorgung entsteht – von effizientem Next Generation
Sequencing bis hin zur Whole-Genome-Sequenzierung. In den Diskussionen wurde
deutlich, dass die Untersuchung ganzer Genome ein zentrales Zukunftsfeld für
Diagnostik und Therapie ist – national wie international. Als MLL MVZ unterstützen
wir diese Ansätze aktiv und setzen uns dafür ein, dass Genomdiagnostik als
tragfähige Innovation im Gesundheitssystem anerkannt und weiter integriert
wird.
Qualität, Akkreditierungen und weitere Auszeichnungen
Die Grundlage all dieser
Aktivitäten bleibt ein konsequentes Qualitätsverständnis. 2025 wurde uns neben
jener der DAkkS erneut die Akkreditierung des College of American Pathologists
(CAP) bestätigt. Sie bescheinigt, dass wir höchste internationale Qualitäts-
und Sicherheitsstandards einhalten und verlässliche, reproduzierbare Ergebnisse
liefern. Für uns ist diese Akkreditierung zugleich Verpflichtung und Türöffner
– sie ermöglicht die Teilnahme an internationalen Forschungskooperationen,
klinischen Studien und pharmazeutischen Partnerschaften und macht die Qualität
unserer Arbeit weltweit vergleichbar.
Auch als Unternehmen haben
wir Anerkennung erhalten. Im Innovationswettbewerb TOP 100 konnten wir unsere
Position erneut behaupten (zum nunmehr siebten Mal in Folge), und zusätzlich
zählen wir laut WirtschaftsWoche-Ranking „Innovations-Champions 2025“ zu den
100 innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands. Für uns sind
solche Auszeichnungen vor allem ein Ausdruck der gemeinsamen Leistung aller
unserer Mitarbeitenden – von den Teams im Probeneingang über die Fachbereiche
bis zu IT, Administration und Organisation.
Eine besondere Würdigung
erfuhren unsere Geschäftsführer Prof. Dr. med. Dr. phil. Torsten Haferlach und
Prof. Dr. med. Wolfgang Kern durch ihre Ernennung zu Top-Reviewern des
Fachjournals Leukemia (Nature Publishing Group). Ihre Arbeit in den
Gutachtergremien trägt dazu bei, dass neue Forschungsergebnisse auf höchstem
Niveau evaluiert werden und in die internationale Community zurückwirken – ein
weiterer Beitrag zur wissenschaftlichen Qualität, der außerhalb des
Laboralltags oft nur wenig sichtbar ist.
Miteinander, Nachwuchs und Engagement: Die Menschen im Mittelpunkt
2025 war nicht nur ein Jahr
großer fachlicher Projekte, sondern auch ein Jahr des Miteinanders. Anlässlich
des 20-jährigen Firmenjubiläums konnten wir im Sommer gleich zweimal in großer
Runde gemeinsam auf Reisen gehen. Jeweils rund 100 Kolleginnen und Kollegen
machten sich im Juli und August für 2,5 Tage auf den Weg nach Dresden. Eine
Schifffahrt auf der Elbe, kulturelle Highlights vom Zwinger bis zur
Frauenkirche und ein gemeinsamer Abend im Kurländer Palais boten den Rahmen für
Gespräche, Begegnungen und ein starkes Wir-Gefühl. Diese Tage haben
eindrücklich gezeigt, wie wichtig persönliche Verbindung und gemeinsame
Erlebnisse für eine Organisation sind, die im Alltag oft mit hochkomplexen,
abstrakten Fragestellungen arbeitet.
Ein besonderes Anliegen war
uns auch 2025 die Nachwuchsförderung im medizinisch-technischen Bereich.
Mehrfach durften wir Schulklassen von Berufsfachschulen für Medizinische
Technologie für Laboratoriumsanalytik bei uns begrüßen – unter anderem aus
Bayreuth, Augsburg, München und Kempten. Die Schülerinnen und Schüler erhielten
Einblicke in Zytomorphologie, Chromosomenanalyse und FISH, Molekulargenetik und
Immunphänotypisierung, konnten unseren MTLAs über die Schultern schauen und
Fragen zu Ausbildung, Karrierewegen und Arbeitsalltag stellen. Diese
Kennenlerntage sind für uns weit mehr als ein Blick hinter die Kulissen: Sie
sind Investition in die Fachkräfte von morgen und Ausdruck unseres
Selbstverständnisses als Ausbildungs- und Wissensort.
Unsere Teilnahme am Biotech
& Pharma Career Day Anfang Oktober in Zusammenarbeit mit BioM und dem
Biomedical Center Munich war für uns eine wichtige Bühne, um mit potenziellen
Bewerberinnen und Bewerbern ins Gespräch zu kommen und Einblicke in den
Arbeitsalltag eines hämatologischen Speziallabors zu geben.
Unser Engagement für die
DKMS haben wir ebenfalls weiter vertieft. Als diagnostischer Partner, als
Unterstützer von Forschungsprojekten und als Multiplikator im Bewusstsein für
Stammzellspenden leisten wir einen Beitrag, der über das klassische Laborverständnis
hinausgeht. Ein Höhepunkt war in diesem Jahr der Besuch der DKMS Group mit
Vertreterinnen und Vertretern aus globalem Management und Life-Science-Labor. Im
gemeinsamen Gespräch standen neue Perspektiven auf Diagnostik, Datenqualität,
Automatisierung, Skalierbarkeit und personalisierte Medizin im Mittelpunkt –
immer mit dem gemeinsamen Ziel, Patientinnen und Patienten weltweit noch
schneller und präziser zu helfen. Solche Begegnungen zeigen, wie sehr
wissenschaftliche Exzellenz, technologische Innovation und menschliches
Engagement zusammenwirken müssen, um echte Veränderung zu ermöglichen. Ergänzend
führten wir im MLL MVZ eine umfassende Typisierungsaktion für unsere
Mitarbeitenden durch.
Nicht zuletzt bot unser Tag
der offenen Tür mit über 200 Teilnehmenden im Herbst Familien, Freundinnen und
Freunden unserer Mitarbeitenden sowie interessierten Gästen die Möglichkeit,
das Labor „von innen“ zu erleben. Führungen durch alle diagnostischen Bereiche,
Einblicke in Robotik, automatisierte Mikroskopie und Rohrpostsysteme sowie
Gespräche mit unseren Teams zeigten, wie viel Leidenschaft und Präzision hinter
jeder einzelnen Probe stehen.
Digitalisierung, KI und Gesundheitspolitik: Haltung in bewegten Zeiten
In mehreren Beiträgen haben
wir uns 2025 erneut zur Zukunft des Gesundheitswesens und zur Rolle von
Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz positioniert. Unser Kernanliegen
bleibt unverändert: KI und digitale Technologien sind kein Selbstzweck. Sie entfalten
ihren Wert nur dort, wo sie Versorgung verbessern, Ärztinnen und Ärzte
entlasten und Patientinnen und Patienten mehr Sicherheit geben. Die
Verantwortung für Entscheidungen bleibt beim Menschen – diese Überzeugung zieht
sich durch all unsere Projekte.
Gleichzeitig sehen wir, wie
sehr das deutsche Gesundheitssystem unter strukturellen Defiziten leidet: unter
regionalen Unterschieden, komplexen Verwaltungsprozessen und fehlender
Interoperabilität. In dieser Situation verstehen wir uns als konstruktive Stimme:
Wir zeigen auf, wo digitale Infrastruktur – von KIM über Befundportale bis hin
zu KI-gestützten Analysesystemen – echten Mehrwert schafft, und plädieren für
Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen, ohne den Schutz sensibler Daten
zu vernachlässigen.
Seit Mitte 2022 unterstützen
wir zudem das Netzwerk „Help for Ukrainian Hematology Patients (HUP)“, das
gleich nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegründet wurde, um die
hämatologische Versorgung in der Ukraine sicherzustellen. Das von WHO, ASH und
EHA sowie lokalen und internationalen Partnern unterstützte Netzwerk fördert
die Einrichtung von Stammzelltransplantationsprogrammen und den Ausbau
hämatologischer Diagnostik, unterstützt durch Telemedizin und internationale
Kooperationen. Seit Beginn der Initiative wurden am MLL MVZ über 3.400 Proben
aus der Ukraine in rund 14.200 Untersuchungen analysiert, über 13.000 Befunde
wurden versendet. Die Ergebnisse werden den ukrainischen Partnern von uns kostenlos
und zeitnah zur Verfügung gestellt.
Dank und Ausblick
Nicht nur anlässlich des Weltkrebsforschungstag
im September haben wir unseren Blick bewusst auf die langfristige Dimension
unserer Arbeit gerichtet. Mehr als 1,3 Millionen untersuchte Proben, über 390
Mitarbeitende, mehr als 1.000 Hochleistungsgeräte und inzwischen über 870 peer-reviewte
Publikationen seit 2005 (55 neu in 2025) stehen für einen kontinuierlichen
Beitrag zur Erforschung hämatologischer Erkrankungen. Jede Probe, jede Studie
und jede Veröffentlichung bringt uns dem Ziel näher, Krebserkrankungen besser
zu verstehen und Therapien zielgerichteter einzusetzen.
Wenn wir auf 2025
zurückblicken, sehen wir ein Jahr, in dem sich Leistungsfähigkeit und
Innovationskraft, wissenschaftliche Präsenz und menschliche Nähe auf besondere
Weise im MLL MVZ verbunden haben: ein neuer automatisierter Probeneingang, der
unsere Prozesse auf ein neues Niveau hebt; diagnostische Angebote, die
Präzision und Personalisierung weiter ausbauen; internationale Kongresse,
Summits und Kurse, in denen Wissen geteilt und neue Ideen geboren wurden; dezidierter
Ausbau der Abteilungen für KI, Forschung und Innovation; und nicht zuletzt ein
starkes Team, das all dies täglich möglich macht.
Unser Dank gilt deshalb zu
allererst allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des MLL MVZ, unseren
Einsenderinnen und Einsendern, Kooperationspartnern, Förderern und den
Patientinnen und Patienten, deren Vertrauen die Grundlage unserer Arbeit ist. Mit
diesem Rückhalt blicken wir zuversichtlich auf 2026 – mit dem Ziel, unsere
diagnostische Exzellenz weiter auszubauen, unsere Services für Einsenderinnen
und Einsender zu stärken, Forschung und Innovation voranzutreiben und die
Chancen digitaler Medizin verantwortungsvoll zu nutzen.
Denn hinter jeder eingesendeten
Probe steht ein Mensch und seine Lebensgeschichte – aus dieser Perspektive heraus
arbeiten wir.
Der Autor

»Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne!«
Prof. Dr. med. Dr. phil. Torsten Haferlach