CMUS-ABS und CCMUS: Hochrisikoentitäten bei klonaler Hämatopoese
25. September 2026
Neue Horizonte in der Leukämieforschung:
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Hintergrund
Klonale Hämatopoese (CH) bezeichnet die Vermehrung von Blutzellen, die auf eine einzelne mutierte hämatopoetische Stammzelle zurückgehen. Sie ist mit einem erhöhten Risiko für myeloische Neoplasien (MN) sowie für kardiovaskuläre und renale Erkrankungen assoziiert.
Eine manifeste myeloische Neoplasie innerhalb dieses Spektrums ist die chronische myelomonozytäre Leukämie (CMML). Zu ihren diagnostischen Kernkriterien gehören eine Monozytose im peripheren Blut mit mindestens 0.5 x 109 Monozyten/L und einem Monozytenanteil von mindestens 10% der Leukozyten, ein Blastenanteil unter 20% im peripheren Blut und Knochenmark sowie klonale Veränderungen (Arber et al. 2022).
Die International Consensus Classification (ICC) führte zusätzlich die Kategorien clonal monocytosis of undetermined significance (CMUS) und clonal cytopenia and monocytosis of undetermined significance (CCMUS) ein. Sie beschreiben klonale hämatopoetische Veränderungen mit gleichzeitig bestehender Monozytose, bei denen die diagnostischen Kriterien einer CMML nicht erfüllt sind. Bei CCMUS liegt zusätzlich eine Zytopenie vor.
Dunn et al. untersuchten anhand klinischer, genomischer und longitudinaler Daten von 431.531 Teilnehmenden der UK Biobank die Prävalenz und klinische Bedeutung von CMUS und CCMUS. Die Forschenden unterschieden CMUS mit absoluter Monozytose – mindestens 1.0 x 109 Monozyten/L und mindestens 10% der Leukozyten (CMUS-ABS) – von CMUS mit relativer Monozytose – mindestens 0.5 x 109 bis unter 1.0 x 109 Monozyten/L und mindestens 10% der Leukozyten (CMUS-REL). Bei gleichzeitig bestehender Zytopenie wurde die Kategorie CCMUS verwendet.
Studienergebnisse im Detail
Prävalenz und
Relevanz: CMUS und CCMUS kamen bei
Teilnehmenden der UK Biobank selten vor; ihre gemeinsame Prävalenz betrug 0,4%.
CMUS-ABS und CCMUS zeigten ein anderes Mutationsspektrum als CMUS-REL: TET2-
und Spleißfaktor-Mutationen, insbesondere SRSF2, waren bei CMUS-ABS und
CCMUS häufiger. Bei CMUS-REL dominierte hingegen die DNMT3A-Mutationen
dominierten – ähnlich wie bei klonaler Hämatopoese ohne Monozytose.
Erhöhtes
Erkrankungsrisiko: CMUS-ABS und
CCMUS waren mit einem hohen Risiko für myeloische Neoplasien assoziiert. Die
Zehn-Jahres-Inzidenz betrug 9,1% bei CMUS-ABS und 18,5% bei CCMUS, verglichen
mit 5,3% bei klonaler Zytopenie unbestimmter Signifikanz (CCUS) ohne
Monozytose. Bei CMUS-ABS waren myeloproliferative Neoplasien (MPN) die
häufigste beobachtete Progressionsform; bei CCMUS traten am häufigsten
myelodysplastische Neoplasien (MDS) auf. Auch Progressionen zur CMML wurden
beobachtet. CMUS-ABS und CCMUS waren zudem mit einem erhöhten Risiko für
kardiovaskuläre Erkrankungen sowie für akute und chronische Nierenerkrankungen
assoziiert.
Präzisere Definitionen: Männer wiesen durchschnittlich höhere relative und absolute Monozytenzahlen auf; 70,6% aller CMUS-/CCMUS-Fälle waren männlich. Dunn et al. schlugen deshalb geschlechtsspezifische Schwellenwerte vor. Für Männer sollten laut den Forschenden höhere Schwellenwerte von mindestens 0.6 x 109 Monozyten/L und mindestens 11,5% der Leukozyten gelten. Fälle mit isolierter DNMT3A-Mutation zeigten einen indolenten Verlauf und ein geringes Progressionsrisiko. Der Ausschluss isolierter DNMT3A-Mutationen und die Einführung geschlechtsspezifischer Monozytenschwellenwerte verbesserten die Risikostratifizierung.
MoSAIC zur
Identifikation von SRSF2-mutierter Monozytose: SRSF2-Mutationen
waren mit erhöhten Monozytenzahlen und einem hohen Risiko für myeloische
Neoplasien assoziiert. Dunn et al. entwickelten deshalb MoSAIC (Monocytosis
with SRSF2 Automatically Inferred from Counts), einen
Machine-Learning-Klassifikator, der anhand routinemäßiger Blutbildparameter die
Wahrscheinlichkeit einer SRSF2-Mutation bei Monozytose abschätzt. Vor
einem klinischen Einsatz ist jedoch eine unabhängige prospektive Validierung
erforderlich.

Fazit
Die Ergebnisse von Dunn et al. zeigen, dass
CMUS und CCMUS innerhalb des Spektrums der klonalen Hämatopoese klinisch
relevante Entitäten sind, die häufig mit einem erhöhten Risiko für myeloische
Neoplasien verbunden sind. Dunn et al. empfehlen, die Definitionen durch
geschlechtsspezifische Monozytenschwellenwerte und den Ausschluss isolierter DNMT3A-Mutationen
anzupassen, um eine genauere Risikostratifizierung zu ermöglichen.
Referenzen
Dunn WG et al. The prevalence and
clinical significance of clonal monocytosis. Blood 2026;147(25):3039–3050.
Arber DA et al. International Consensus
Classification of Myeloid Neoplasms and Acute Leukemias: integrating
morphologic, clinical, and genomic data. Blood 2022;140(11):1200–1228.
Die Autorin

»Sie haben Fragen zu CMUS und CCMUS oder wünschen weitere Informationen zur Studie? Schreiben Sie mir gerne eine E-Mail.«
Dr. rer. nat. Katharina Hörst