• Der Nachweis von Genmutationen oder chromosomalen Aberrationen in einer Zellpopulation ist ein Klonalitätsnachweis, weshalb somit von einer „klonalen Hämatopoese“ gesprochen wird.
  • Viele Begriffe wurden inzwischen eingeführt: ARCH (age related clonal hematopoiesis), CHIP  (clonal hematpoiesis of indeterminate potential), CCUS  (clonal cytopenia of undetermined significance).
  • Eine klonale Hämatopoese ist selten bei jungen Menschen nachweisbar, jedoch steigt die Häufigkeit mit dem Alter (10-20% bei über 70-jährigen).
  • Mit hochsensitiven Techniken, ist sogar bei nahezu jedem über 50-jährigen Menschen eine klonale Hämatopoese nachweisbar (Young et al. Nature Communications 2016).

 

Was bedeutet das für die Diagnostik? Hier stellt sich die Frage, welche klinische Relevanz das Vorliegen einer klonalen Hämatopoese hat. Kann eine klonale Hämatopoese der Ausgang für eine hämatologische Neoplasie wie z.B. ein MDS oder eine AML sein? Gibt es Faktoren, die die Entstehung eines MDS oder einer AML aus einer klonalen Hämatopoese begünstigen?


Wichtig ist zu unterscheiden, ob eine Untersuchung bei einem klinisch Gesunden – hierfür gibt es aktuell gar keine Indikation – oder bei einem Patienten mit einer Zytopenie durchgeführt wird. Bei Patienten mit Zytopenie konnte gezeigt werden, dass anhand der Anzahl und Muster der Mutationen sowie der Klongröße die Wahrscheinlichkeit abgeschätzt werden kann, eine hämatologische Neoplasie wie z.B. ein MDS zu entwickeln (Malcovati et al. Blood 2017). Es gibt Bestrebungen auf ähnliche Weise  einen Prädiktionsalgorithmus zu entwickeln, der das Auftreten einer AML vorhersagen kann. Erste Schritte in diese Richtung stellen zwei retrospektive Studien dar, die zeigen, dass ein AML-„Prodrom“ Jahre vor einer tatsächlichen Diagnose einer AML nachweisbar ist (Desai et al. Nat Med 2018, Abelson et al. Nature 2018). Die Ergebnisse dieser beiden Studien und zukünftiger prospektiver Studien könnten eines Tages den Weg für einen Screening-Test für hämatologische Neoplasien ebnen.

 

Ein solches Screening wäre besonders sinnvoll, wenn therapeutische Optionen vorhanden sind, die bei frühzeitiger Intervention entweder das Überleben verlängern oder im besten Fall präventiv sein könnten.

 

Zwei weitere Aspekte könnten ein Screening auf klonale Hämatopoese relevant machen. Zum einen wurde gezeigt,  dass bei Patienten mit soliden Tumoren der prätherapeutische Nachweis von bestimmten Mutationen in der Hämatopoese das Risiko erhöht, eine therapie-assoziierte myeloische Neoplasie zu entwickeln (Gillis et al. Lancet Oncology 2017). Des Weiteren legen erste Fallberichte nahe, dass ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Spenderzell-Leukämien und einer klonalen Hämatopoese des Spenders besteht (Gondek et al. Leukemia 2016).