Über 50% der Patienten mit multiplem Myelom weisen eine Mutation in einer Komponente des MEK/ERK-Signalwegs auf (Morgan et al. Leukemia 2018). So finden sich in 19 - 24% bzw. 21 - 27% der Patienten eine NRAS- bzw. KRAS-Mutation und in 4 - 9% eine BRAF-Mutation. Hierbei ist zu beachten, dass sich diese Mutationen gegenseitig nahezu ausschließen und nur bei etwa 2% der Patienten gemeinsam auftreten (Chapman et al. Nature 2011, Walker et al. JCO 2015). Obwohl die Kinase-kodierenden Gene unterschiedlich sind, haben doch alle eine ähnliche Domain-Struktur und den gleichen „downstream pathway“, was sie prinzipiell zu einem Angriffspunkt für zielgerichtete Therapien macht.


Mutationen im TP53-Gen, die initial bei 3 - 8% der Patienten gefunden werden, sind mit der del(17p) und einer ungünstigen Prognose assoziiert. Die Frequenz von TP53-Mutationen nimmt von Rezidiv zu Rezidiv bis auf 75% in fortgeschrittenen Stadien zu. Der Nachweis korreliert eng mit Resistenz gegenüber medikamentöser Therapie.
Patienten mit einer NRAS-Mutation, jedoch nicht Patienten mit einer KRAS-Mutation, sprechen schlechter auf den Proteasomeninhibitor Bortezomib an, wohingegen bei einer Therapie mit Dexamethason kein Einfluss der NRAS-Mutation auf das Ansprechen und die Zeit bis zur Progression nachgewiesen wurde (Mulligan et al. Blood 2014).


Der Nachweis einer BRAF V600E-Mutation ist beim multiplen Myelom im frühen Stadium mit einem guten Therapieansprechen auf die Standardtherapien wie Immunmodulatoren und Proteasom-Inhibitoren und alkylierende Zytostatika assoziiert (Rustad et al. Blood Cancer J. 2015). Teilweise in fortgeschrittenen Stadien bereits praktiziert - allerdings noch nicht ausreichend in klinischen Studien untersucht - ist wie bei anderen Malignomen der Einsatz von BRAF- und MEK-Inhibitoren.