Wir sagen Danke: Der MLL-Jahresrückblick 2021

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Wie überall war dieses Jahr auch in unserer Praxis, dem MLL MVZ, und im MLL Münchner Leukämielabor geprägt durch die Corona-Pandemie. Dies gilt zum einen für die Sorge um unsere in der Praxis behandelten Patientinnen und Patienten und zum anderen auch für unser gesamtes Team. Durch große zusätzliche Anstrengungen im Bereich der Hygienemaßnahmen sowie umfassende Impfprogramme für unsere Patientinnen und Patienten und unser Team, haben wir versucht, hier Unsicherheiten soweit wie möglich zu minimieren. So ist es uns unter anderem gelungen, eine Impfquote von über 90% bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erreichen und auch über 850 Freunde und Bekannte des MLL-Teams im Rahmen eines umfassenden Impfangebotes im MLL MVZ zu impfen.

Unser vorrangiges Ziel im MLL ist es, jederzeit eine state-of-the-Art Diagnostik, verbunden mit kurzen Befundungszeiten, anzubieten. Neben den organisatorischen Maßnahmen für unser Team, auch bedingt durch notwendige Quarantäne-Fehlzeiten, haben wir im MLL viele Schritte unternommen: Das Homeoffice wurde deutlich ausgeweitet und in eine reguläre Struktur gebracht, soweit es die Arbeitsplätze erlauben. Jeder Vorgang wurde nochmals auf Digitalisierbarkeit und Automatisierbarkeit überprüft und schrittweise verbessert, um die Abläufe insgesamt noch stringenter zu machen. Wir bemühen uns intensiv darum, unsere digitale Befundabfrageplattform sowie das Order Entry System für alle EinsenderInnen zur Verfügung zu stellen. Die Nutzung ist natürlich kostenfrei. Wir aktualisieren und erweitern unsere Website für jede Art von digitaler Kommunikation sowie Information. Wir implementieren Forschungsergebnisse rasch in die Routinediagnostik.

Dabei ist besonders zu erwähnen, dass die Probenzahl insgesamt in allen diagnostischen Bereichen im Schnitt um 15% in 2021 angestiegen ist – im Vergleich zu dem schon bisher stärksten Jahr 2020. Überdurchschnittlich war der Anstieg in der Molekulargenetik, nicht nur, was die Zahl der Proben, sondern auch, was die zum Teil immer komplexer werdenden Anforderungen mit Panelsequenzierung angeht. Erstmalig können wir die Ganz-Genom-Sequenzierung (WGS) im Rahmen hämatologisch fokussierter Auswertealgorithmen in der Routine anbieten, speziell für sehr komplexe Fälle. Ein solches Programm („Der schwierige Fall“) gibt es auch im Rahmen unseres Forschungsbereichs kostenfrei für die EinsenderInnen.

Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Kooperationen weltweit mit daraus entstehenden Vorträgen auf internationalen und nationalen Kongressen sowie Publikationen können wir auch für 2021 erneut beitragen. So werden die Daten der Routinediagnostik unter Einhaltung strenger Datenschutzauflagen für Forschungsprojekte genutzt. Die Leukämiediagnostik und die darauf immer mehr aufbauenden spezifischen Therapien können so nicht nur für den einzelnen Patienten sondern auch durch Publikationen nachhaltige Wirksamkeit erzielen.

In der Routinediagnostik und in Pilotstudien ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sowohl in den Bereichen der Zytomorphologie (peripheres Blut- und Knochenmark -Differenzierung), der klassischen Zytogenetik und bei 24-Farben FISH, der Immunphänotypisierung sowie bei der Genom- und Transkriptom-Sequenzierung im MLL etabliert. Hier haben wir große Forschungsprojekte, unter anderem mit MetaSystems und AWS, die uns jetzt schon bei unseren täglichen Routineabläufen stark unterstützen und in naher Zukunft auch weiter intensiv beitragen werden. Nächstes Jahr werden wir dazu auch Betaside Tester in anderen Laboren einbinden, um die dabei mit KI entstehenden Produkte auch außerhalb des MLL nutzbar zu machen.

In 2021 erhielten wir auch erstmals die Akkreditierung nach CAP (College of American Pathologists). Wir wurden zum 3. Mal in Folge als TOP 100 Innovator des deutschen Mittelstandes ausgezeichnet. Es bleibt unser vorrangiges und auch zukünftiges Ziel, Diagnostik für Leukämien und Lymphomen auf bestmöglichem Wissensstand und mit kurzen Befundungszeiten anzubieten.

Die für nächstes Jahr in Planung befindliche neue WHO Klassifikation von Leukämien und Lymphomen, an der wir erstmalig als MLL-AutorInnen mitarbeiten dürfen, wird uns allen in der Hämatologie eine große Hilfe sein zum noch besseren Verständnis der hämatologischen Erkrankungen und der darauf aufbauenden Therapien. Dieses Ziel verfolgen wir im MLL mehr denn je: Die immer umfassenderen und spezifischeren Erkenntnisse der Diagnostik, speziell auch der Zytogenetik und der Molekulargenetik, direkt für die Klassifikation, für die Prognoseeinschätzung und für die gezielte Therapie (precision medicine) jedem einzelnen Patienten rasch zur Verfügung zu stellen. Das gilt auch immer mehr für die sogenannte „messbare Resterkrankung“ (MRD), die mehr Bedeutung für die Therapiesteuerung im Verlauf erhält.

Wir bedanken uns bei allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die hervorragende Arbeit in diesem Jahr, trotz aller komplizierten Umstände, in denen wir gerade alle leben. Unseren EinsenderInnen danken wir für Ihr Vertrauen in uns und unsere Diagnostik. Allen PartnerInnen sei für die konstruktive gemeinsame Arbeit auch in Zeiten von Lieferengpässen gedankt.

Es bleibt unser gemeinsames Ziel, von den Ergebnissen unserer Diagnostik ausgehend, Leben zu verlängern und Heilungsraten zu erhöhen.

Wir wünschen Ihnen eine ruhige Weihnachtszeit und insbesondere für uns alle eine positive Entwicklung im Jahr 2022.

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. med. Claudia Haferlach
Prof. Dr. med. Dr. phil. Torsten Haferlach
Prof. Dr. med. Wolfgang Kern