Plasmazellmyelom - Zytogenetik und FISH

Beim Plasmazellmyelom ist die Durchführung der klassischen Chromosomenanalyse durch die geringe in-vitro-Proliferationsaktivität erschwert. Daher haben hier die comparative genomische Hybridisierung (CGH) sowie insbesondere die FISH-Analyse an Interphase-Kernen ihren besonderen Stellenwert. Die Durchführbarkeit der FISH-Technik wird am besten durch die magnet-aktivierte Zellsortierung (MACS) für CD138-positive Plasmazellen ermöglicht. Diese erreicht einen Reinheitsgrad an Plasmazellen zumeist >80% auch in Fällen, wenngleich der Infiltrationsgrad im nativen Knochenmark sehr viel niedriger ist.

Mit Chromosomen-spezifischen Zentromer-Sonden oder Locus-spezifischen Sonden wurden mittels FISH bei 88-97% aller Myelome chromosomale Veränderungen nachgewiesen:

IGH-Rearrangements gehören zu den häufigsten strukturellen Veränderungen beim Plasmazellmyelom. Hier sind die prognostisch ungünstigen Translokationen t(4;14)(p16;q32) und t(14;16)(q32;q23) zu nennen. Die t(11;14)(q13;q32) scheint prognostisch intermediär zu sein.

Auch 13q-Deletionen sind häufig, wobei ihr Nachweis häufiger mit der FISH-Technik (in 39-54%) als mit der Chromosomenbänderungsanalyse (ca. 15% aller Fälle) gelingt. Es besteht ein prognostisch ungünstiger Einfluss. Dieser ist allerdings deutlicher, wenn die 13q-Deletionen mit der Chromosomenanalyse nachgewiesen werden. Andererseits gibt es Hinweise, dass die 13q-Deletion als alleinige Aberration noch keinen prognostisch ungünstigen Parameter darstellt, sondern erst die Kombination mit anderen ungünstigen Parametern – z.B. IGH-Rearrangements – in einer ungünstigen Prognose resultiert.

Seltener sind 17p-Deletionen: Diese involvieren das Tumorsuppressorgen TP53 und sind prognostisch sehr ungünstig. Darüber hinaus lassen sich bei ca. 45% der Patienten strukturelle Zugewinne am Chromosomenabschnitt 1q nachweisen. Sie scheinen mit einer Krankheitsprogression assoziiert. 16q-Deletionen finden sich bei ca. 20% aller Patienten und sind prognostisch ungünstig.

 

Risikostratifizierung nach Zytogenetik

Aus zytogenetischer Sicht kann für das Plasmazellmyelom eine Hochrisikogruppe identifiziert werden: Hierzu gehören die t(4;14), die t(14;16), die t(14;20) sowie TP53-Deletionen nach den Befunden der FISH-Analytik. Ausserdem gelten der Nachweis einer Aneuploidie bzw. einer 13q-Deletion in der Chromosomenanalyse als Hochrisikomerkmale. Eine derartige Hochrisikokonstellation findet sich bei ca. 25% aller Myelom-Patienten.

Die übrigen 75% der Myelom-Patienten zeigen ein günstigeres Ansprechen auf Therapie. Bei ihnen lassen sich die oben genannten Hochrisikomerkmale nicht nachweisen. Ferner können sie durch eine Hyperdiploidie oder das Vorliegen einer t(11;14) oder einer t(6;14) charakterisiert sein.

 

Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS)

Wenngleich in etwas geringerer Frequenz, sind auch bei der monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) zytogenetische Aberrationen anhand der Interphase-FISH-Diagnostik nachweisbar; diese überlappen mit den chromosomalen Anomalien beim Plasmazellmyelom. Mittels FISH kann im Falle eines Nachweises von genetischen Aberrationen das Vorliegen einer klonalen Plasmazellerkrankung gesichert werden und eine Abgrenzung gegenüber reaktiven Plasmazellvermehrungen erfolgen.

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