Philadelphia-negative myeloproliferative Neoplasien (MPN) - Überblick

Die „State of the Art“-Diagnostik der MPN beruht auf einem Zusammenspiel der Methoden Zytomorphologie, Chromosomenanalyse, FISH und Molekulargenetik, sowie Histopathologie.

Die Zytomorphologie gehört zusammen mit der Zytochemie und der Eisenfärbung bei MPN zur Standard-Diagnostik. Sie dient gemeinsam mit der Histopathologie zur Abgrenzung der verschiedenen myeloproliferativen Erkrankungen untereinander.

Die klassische Chromosomenanalyse dient zur Bestimmung des Karyotyps. Die bei MPN auftretenden Karyotyp-Veränderungen sind vielfältig. Es finden sich sowohl numerische Karyotyp-Aberrationen wie die Trisomie 8 oder Trisomie 9 als auch balancierte Rearrangements, die auf molekularer Ebene zu Fusionsgenen führen. Diese Rearrangements sind z.T. sehr selten. Sie involvieren häufig Gene, die für Tyrosinkinasen kodieren. Die Involvierung von Kinase-Genen in Rearrangements hat nicht nur diagnostische Relevanz, sondern zieht auch therapeutische Konsequenzen nach sich, da für einige Rearrangements bereits ein Ansprechen auf Tyrosinkinase-Inhibitoren gezeigt werden konnte.

Die FISH-Analyse wird im Rahmen der MPN-Diagnostik gezielt zur Beantwortung bestimmter Fragestellung eingesetzt. Aus diagnostischer und therapeutischer Sicht ist zunächst der Ausschluss eines BCR-ABL1-Rearrangements im Rahmen der MPN-Diagnostik mittels FISH oder PCR wichtig, da nur hierdurch eine sichere Abgrenzung gegenüber der CML möglich ist. Ferner können z.T. andere Rearrangements von Tyrosin-kinasen mittels FISH nachgewiesen werden.

Die Molekulargenetik hat einen wichtigen Stellenwert in der MPN-Diagnostik: zum einen sollte in allen Fällen ein BCR-ABL1-Rearrangement ausgeschlossen werden. Darüber hinaus wurden innerhalb der letzten zehn Jahre eine Vielzahl molekularer Mutationen bei den MPN beschrieben: Hier seien an erster Stelle Mutationen im Exon 14 (JAK2V617F) sowie Exon 12 des JAK2-Gens genannt, ferner Mutationen im MPL-Gen, welches für den Thrombopoietinrezeptor kodiert. Diese Mutationen lassen sich nicht nur zur Abgrenzung einer MPN von einer reaktiven Veränderung diagnostisch verwenden, sondern sind auch – wie bei der JAK2V617F-Mutation gezeigt – zur Verlaufsdiagnostik geeignet.

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