Informationsblatt

Myeloproliferative Neoplasien (MPN) - Molekulargenetik

Bei BCR-ABL1-negativen MPN steht an erster Stelle die Untersuchung der V617F-Mutation im JAK2-Gen. Die JAK2V617F Mutation findet sich bei >95% aller Patienten mit Polyzythämia vera und bei ca. 50% aller essentiellen Thrombozythämien und primären Myelofibrosen. Die JAK2V617F-Mutation eignet sich zur MRD-Verlaufsdiagnostik mit der Real-time PCR, beispielsweise bei Patienten mit Myelofibrose nach allogener Stammzelltransplantation.

Seltener sind Mutationen im Exon 12 des JAK2-Gens: diese finden sich bei 10% aller V617F negativen Fälle von PV, aber auch bei Fällen von isolierten Polyglobulien.

Bei je 10% aller JAK2V617F-negativen PMF und ETs finden sich Mutationen in der Aminosäure W515 im MPL-Gen, das für den Thrombopoietinrezetor kodiert. Diese Mutationen resultieren in einer Aktivierung des JAK-STAT-Pathways.

Bei Mastozytosen ist die D816-Mutation im KIT-Gen typisch. Diese Mutation vermittelt zwar eine Resistenz gegenüber Imatinib, Sensitivität für Nilotinib und Dasatinib bleibt offensichtlich bestehen.

Das Spektrum der bekannten molekularen Mutationen ist in kontinuierlicher Erweiterung: Bei je 10% aller Fälle von CMML und MPN-U (nicht weiter klassifizierbare MPN) wurden Mutationen im CBL-Gen nachgewiesen.

Ferner wurden kürzlich bei einem Teil der Patienten mit myeloproliferativen Erkrankungen Mutationen in den TET2- (TET2 oncogene family member 2), CBL- (Casitas B lineage lymphoma proto-oncogene) und auch der IDH-Gene (Isocitrate dehydrogenase) beschrieben. Im Einzelfall kann ein Screening auf diese Mutationen bei Verdacht auf eine MPN bereits jetzt diskutiert werden, um die Diagnose zu sichern. Ansonsten sind weitere Studienergebnisse abzuwarten, um den klinischen Stellenwert dieser Marker bei den MPN zu definieren (sh. auch Informationsblatt zu TET2-Mutationen).

 
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