Myeloproliferative Neoplasien (MPN) – Chromosomenanalyse
Polyzythämia vera
Chromosomenaberrationen werden bei ca. 35% der Patienten mit Polyzythämia vera (PV) beobachtet. An erster Stelle sind Deletionen im langen Arm eines Chromosoms 20 (20q), numerische Zugewinne der Chromosomen 8 und 9, sowie Zugewinne des kurzen Armes von Chromosom 9 (wo das JAK2-Gen lokalisiert ist) zu nennen. Seltener finden sich 13q-Deletionen sowie Zugewinne von 1q. Die Inzidenz von Chromosomenaberrationen steigt mit der Fortdauer der Erkrankung an. Die Transformation der Erkrankung in eine sekundäre AML ist ebenfalls mit einer erhöhten Rate an Karyotyp-Veränderungen assoziiert. Insgesamt scheint der Nachweis von Chromosomenaberrationen mit einer ungünstigeren Prognose zu korrelieren.
Primäre Myelofibrose (PMF)
Bei Patienten mit primärer Myelofibrose (PMF) sind Chromosomenaberrationen bei ca. 40% aller Patienten nachweisbar. Am häufigsten sind Deletionen der Chromosomenabschnitte 13q und 20q, welche jeweils bei ca. 6-7% aller Patienten mit PMF beobachtet werden. Ferner wurden numerische Veränderungen der Chromosomen 7, 8 und 9 sowie strukturelle Aberrationen der Chromosomenabschnitte 1q und 5q beschrieben.
Der Karyotyp ist bei der primären Myelofibrose von prognostischer Bedeutung: Als prognostisch günstig gilt der Nachweis von isolierten 13q- oder 20q-Deletionen oder einer Trisomie 9. Hinsichtlich des normalen Karyotyps ist die Einteilung in die prognostisch intermediäre bzw. günstige Risikogruppe noch in Diskussion. Als prognostisch ungünstig sind Anomalien der Chromosomen 5 oder 7, komplexe Anomalien, oder Veränderungen am Chromosom 17 beschrieben. Auch das Auftreten prognostisch ungünstiger chromosomaler Veränderungen im Verlauf der Erkrankung ist mit einem schlechteren Überleben assoziiert. Allerdings müssen noch weitere klinische Studien abgewartet werden, um die prognostische Bedeutung der verschiedenen zytogenetischen Aberrationen definitiv festzulegen.
Hingegen sind bei der Essentiellen Thrombozythämie (ET) klonale Chromosomenanomalien sehr selten: Sie finden sich nur bei ca. 5% der Patienten. Am häufigsten wird ein Zugewinn eines Chromosoms 9 beobachtet.
Auch bei anderen myeloproliferativen Neoplasien lassen sich chromosomale Aberrationen feststellen, welche die Chromosomenabschnitte 1q, 13q und 20q, sowie die Chromosomen 8 und 9 (bzw. 9p) involvieren (sh. auch Informationsblatt zur Zytogenetik bei MPN).
