Myelodysplastisches Syndrom (MDS) - Molekulargenetik
Im Gegensatz zur AML gibt es keine spezifischen molekularen Marker für MDS, sondern es finden sich im Prinzip die gleichen Mutationen wie bei der AML und mit geringeren Häufigkeiten. Für seltene reziproke Translokationen können Fusionsgen-spezifische PCRs durchgeführt werden. Diese spielen jedoch in der Routinediagnostik kaum eine Rolle. Die am häufigsten beschriebene Mutation bei MDS (ca. 10-15% aller Fälle) ist im RUNX1- (=AML1)-Gen lokalisiert. Ferner finden sich wie bei der AML, besonders beim fortgeschrittenen MDS im Stadium RAEB (refraktäre Anämie mit Blastenexzess) die partielle MLL-Tandemduplikation (MLL-PTD), FLT3-Längenmutationen (FLT3-LM), sowie Mutationen von NPM1, RAS, oder CEBPA. Je mehr dieser Mutationen detektierbar sind, desto weiter ist die Progression eines MDS in eine sekundäre AML fortgeschritten. Analog ist auch ein Anstieg der WT1-Genexpression in der Real-time PCR ein Indiz für die Progression des MDS.
Neuerdings wurden weitere Mutationen beim MDS beschrieben, z.B. im TET2-Gen. Diese finden sich bei ca. 15-25% aller Patienten. Der Nachweis erfolgt über Sequenzierung. Mutationen im ASXL1- (additional sex-comb like 1) Gen auf dem Chromosomenabschnitt 20q11 wurden bei ca. 10% der Patienten mit einem MDS festgestellt. Für das betreffende Gen wurde eine Funktion als Tumorsuppressor postuliert. Auch bei myeloproliferativen Neoplasien (MPN), CMML, und de novo AML sind diese Mutationen nachzuweisen. Aussagen zur Prognose beim MDS sind für diese neuen genetischen Marker noch nicht möglich.
