Persistierende Eosinophilie (HES/CEL) - Überblick
Die „State of the Art“-Diagnostik bei Fällen mit einer persistierenden und nicht anderweitig erklärbaren Eosinophilie (bzw. bei Verdacht auf klonale Ursache einer Eosinophilie) beruht auf einem Zusammenspiel der Methoden Zytomorphologie/Zytochemie, Chromosomenanalyse, FISH und Molekulargenetik. Die chronische Eosinophilenleukämie (CEL) mit dem FIP1L1-PDGFRA-Rearrangement gehört in die neue WHO-Kategorie „Neoplasien mit Rearrangements der PDGFRA- und PDGFRB-Gene sowie FGFR1-Anomalien“. Im Gegensatz dazu werden Fälle nicht näher klassifizierter chronischer Eosinophilenleukämien der Kategorie der myeloproliferativen Syndrome zugeordnet.
Die Zytomorphologie gehört zusammen mit der Zytochemie bei Verdacht auf HES/CEL zur Standard-Diagnostik. Sie dient zur Abgrenzung gegenüber anderen myeloproliferativen Erkrankungen. Bei der klassischen CEL findet sich eine deutliche Eosinophilie im peripheren Blut und im Knochenmark. Im Knochenmark zeigt sich in fast allen Fällen eine Mastzellvermehrung. Besonders gut eignet sich zu ihrem Nachweis die Färbung mit Toluidinblau.
Die klassische Chromosomenanalyse dient zur Bestimmung des Karyotyps. Findet sich in der Chromosomenanalyse eine klonale Chromosomenaberration, liegt laut WHO-Klassifikation eine CEL vor. Typische Chromosomenaberrationen sind Translokationen unter Involvierung von Kinase-Genen sowie die Trisomie 8. Das FIP1L1-PDGFRA-Rearrangement beruht auf einer submikroskopischen Deletion im langen Arm von Chromosom 4. Diese Veränderung ist zytogenetisch nicht sichtbar und kann nur mittels FISH oder PCR nachgewiesen werden, hingegen können mit Hilfe der Chromosomenanalyse seltene Translokationen mit Beteiligung von Kinase-Genen erkannt werden. Die Involvierung von Kinase-Genen in Rearrangements hat nicht nur diagnostische, sondern auch therapeutische Relevanz, da einige Rearrangement-positive Erkrankungen ein Ansprechen auf Tyrosinkinase-Inhibitoren zeigen.
Die FISH-Analyse wird im Rahmen der HES/CEL-Diagnostik gezielt eingesetzt, speziell zum Nachweis der CHIC2-Deletion (auf molekularer Ebene: FIP1L1-PDGFRA-Rearrangement). Darüber hinaus ist auch eine Vielzahl weiterer Rearrangements (z.B. unter Beteiligung des ETV6-Gens) mit der FISH-Analytik nachweisbar.
Die Molekulargenetik hat einen wichtigen Stellenwert in der HES/CEL-Diagnostik. Sie erlaubt die Detektion der verschiedenen PDGFRA-, PDGFRB-, sowie FGFR1-Rearrangements, welche einer persistierenden Eosinophilie zugrunde liegen können. Wenngleich diese Rearrangements selten sind, kommt ihrer Detektion eine hohe Bedeutung im Sinne des einzelnen Patienten zu: bei Nachweis von PDGFRA- oder PDGFRB-Rearrangements besteht die Option einer Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren.
