Persistierende Eosinophilie (HES/CEL) - Molekulargenetik
Die WHO hat inzwischen eine eigene Kategorie für Veränderungen der PDGFRA-, PDGFRB-, sowie FGFR1-Gene eingerichtet: „myeloid and lymphoid neoplasms with eosinophilia and abnormalities of PDGFRA, PDGFRB, or FGFR1“.
Bei einer chronischen Eosinophilenleukämie (CEL) mit zusätzlicher Mastzellinfiltration findet sich häufig das FIP1L1-PDGFRA-Rearrangement.
Beispiele für PDGFRB-Rearrangements sind H4-PDGFRB - das molekulare Korrelat zur t(5;10)(q33;q21), ETV6-PDGFRB - bei der t(5;12)(q33;p13), HIP1-PDGFRB - bei t(5;7)(q33;q11.2). Diese sind mittels RT-PCR (reverse Transkriptions-PCR) nachweisbar. Die PDGFRB-Rearrangements sind insgesamt mit 5-15% aller HES/CEL nicht sehr häufig. Der Nachweis ist dennoch von grosser Bedeutung, da eine Behandlung mit Tyrosinkinase-Inhibitoren möglich ist.
FGFR1-Rearrangements resultieren aus einer Fusion des FGFR1-Gens (auf dem Chromosomenabschnitt 8p11, daher auch die Bezeichnung „8p11-Syndrom“) mit einer Vielzahl von Fusionspartnern. Am häufigsten ist die ZNF198-FGFR1-Genfusion, welche der Translokation t(8;13)(p11;q12) entspricht. Andere Fusionspartner sind z.B. das CEP110-Gen (auf dem Chromosomenabschnitt 9q33) oder BCR (auf 22q11). Klinisch zeigen sich bei Patienten mit FGFR1-Rearrangements sehr heterogene Bilder: Ein Teil der Patienten entwickelt Lymphome, während andere myeloproliferative Charakteristika zeigen. Auch kann sich die Erkrankung als AML oder als myeloisches Sarkom (= extramedulläre Manifestation einer myeloischen Neoplasie) manifestieren. Meist wird eine Eosinophilie beobachtet.
Die morphologische und weiterführende Diagnostik zeigen beispielsweise eine chronische Eosinophilenleukämie (CEL), welche im weiteren Verlauf zu einer AML oder einer ALL transformieren kann. Darüber hinaus können sich FGFR1-Rearrangements primär als AML, T-lymphoblastisches Lymphom, oder seltener als B-Linien-ALL (bzw. B-lymphoblastisches Lymphom) manifestieren
