Chronische myeloische Leukämie (CML) - Überblick
Die „State of the Art“-Diagnostik bei der CML beruht auf einem Zusammenspiel der Methoden Zytomorphologie, Chromosomenanalyse, FISH und Molekulargenetik.
Die Zytomorphologie dient der Sicherung der Diagnose und leistet Wesentliches zur Abgrenzung gegenüber anderen myeloproliferativen Erkrankungen. Bei Verlaufskontrollen unter Therapie wird die hämatologische Remission nach zytomorphologischen Kriterien beurteilt.
Die Immunphänotypisierung spielt eine Rolle in der Blastenphase (früher „Blastenkrise“ oder „Blastenschub“) der CML. Sie erlaubt die sichere Differenzierung zwischen einer myeloischen und einem lymphatischen Blastenphase, was von therapeutischer Relevanz ist.
Die klassische Chromosomenanalyse dient zum Nachweis der Philadelphia-Translokation sowie weiterer klonaler Chromosomenaberrationen, die meist erst bei einer Progression der Erkrankung auftreten. Bei der CML haben Verlaufsuntersuchungen unter Therapie grosse prognostische Bedeutung. Sie sind daher für die weitere Therapieplanung essentiell. Die klassische Chromosomenanalyse stellt zurzeit den Goldstandard zur Beurteilung des Ansprechens auf die verabreichte Therapie dar. Die FISH-Analyse kann das Vorliegen eines BCR-ABL1-Rearrangements innerhalb von 24 Stunden bestätigen bzw. ausschliessen. Gegenüber der klassischen Chromosomenanalyse bietet FISH den Vorteil, dass sich mit dieser Methode auch bei Patienten mit Philadelphia-negativer, BCR-ABL1-positiver CML (also kryptischem BCR-ABL1-Rearrangement) die Diagnose sichern lässt. Ferner kann man mittels FISH an Interphase-Kernen und Metaphasen das Ansprechen auf die Therapie überprüfen.
Die Molekulargenetik dient zum Nachweis des BCR-ABL1-Rearrangements bei Diagnose. Da ca. 5% aller CML zytogenetisch nicht detektierbare kryptische BCR-ABL1-Rearrangements aufweisen, sollten immer FISH- und/oder PCR-Diagnostik parallel zur zytogenetischen Untersuchung durchgeführt werden. Eine PCR basierte Quantifizierung der BCR-ABL1-Expression bei Diagnose dient darüber hinaus als Ausgangswert für nachfolgende Verlaufsuntersuchungen. Das PCR-basierte BCR-ABL1-Monitoring während der Therapie gehört heute zur Standarddiagnostik bei der CML. Unabhängig von der Therapie lässt sich das Ansprechen am besten sowohl im Hinblick auf die Quantität als auch die Sensitivität mittels Real-time PCR messen. Bei Patienten, die mit Imatinib behandelt werden, besteht eine Assoziation zwischen dem Wiederanstieg der BCR-ABL1-Expression und dem Auftreten einer Imatinib-Resistenz. In diesen Fällen wird eine Sequenzierung des ABL1-Anteils empfohlen, in welchem unter der Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren sekundäre Mutationen auftreten können. Da bestimmte Mutationen in der Regel Resistenzen für einzelne Tyrosinkinaseinhibitoren vermitteln und andere dagegen weiterhin wirksam sein sollten, ist die genaue Definition der BCR-ABL1-Mutation wichtig für weitere Therapieentscheidungen.
