Akute myeloische Leukämie (AML) - Überblick

Die „State of the Art“-Diagnostik der AML beruht auf einem Zusammenspiel der Methoden Zytomorphologie/Zytochemie, Immunphänotypisierung, Chromosomenanalyse, FISH und Molekulargenetik.

Die Zytomorphologie gehört zusammen mit der Zytochemie (Myeloperoxidase und Esterase) zur Standard-Diagnostik. Sie dient der Sicherung der Diagnose und ist erforderlich zur Klassifikation nach FAB und WHO. Bei Verlaufskontrollen unter Therapie stellt die zytomorphologische Remissionsbeurteilung nach wie vor den Goldstandard dar.

Die Immunphänotypisierung ist ebenfalls von zentraler Bedeutung. Sie dient zur Sicherung der Diagnose und liefert über die Zytomorphologie hinaus die entscheidenden Parameter zur Abgrenzung der AML von der ALL. Ferner erlaubt sie die Identifikation des FAB-Subtyps AML M7, welcher morphologisch häufig schwierig zu erkennen ist, sowie des FAB-Subtyps AML M0, der sich morphologisch nicht von einer ALL unterscheidet. Zum Zeitpunkt der Diagnose kann ein sogenannter „Leukämie-assoziierter Immunphänotyp“ (LAIP) bestimmt werden. Dieser erlaubt den Nachweis minimaler Resterkrankung („minimal residual disease, MRD“) unter und nach Therapie.

Die klassische Chromosomenanalyse zur Bestimmung des Karyotyps der Leukämiezellen gehört heute bei jedem Patienten mit AML zur Standard-Diagnostik. Der Karyotyp ist zum einen notwendig zur Klassifikation nach WHO, stellt aber auch den wichtigsten unabhängigen prognostischen Parameter bei der AML dar. Für einige genetische definierte Subtypen der AML leiten sich aus dem Befund der Chromosomenanalyse therapeutische Konsequenzen ab.

Die FISH-Analyse wird im Rahmen der AML-Diagnostik gezielt für bestimmte Fragestellungen eingesetzt. So lässt sich mit dieser Technik innerhalb von drei Stunden ein PML-RARA-Rearrangement nachweisen. Häufig wird die FISH-Untersuchung in Ergänzung zur klassischen Chromosomenanalyse eingesetzt, um die dort nachgewiesenen Aberrationen zu bestätigen und einen Ausgangsbefund für Verlaufskontrollen unter Therapie zu erhalten. Zur detaillierten Aufklärung komplex aberranter Karyotypen kommt die 24-Farben-FISH-Analytik zum Einsatz.

Die Molekulargenetik hat einen wichtigen Stellenwert in der AML-Diagnostik zum Nachweis von prognostisch relevanten Fusionstranskripten sowie von molekularen Mutationen in AML-relevanten Genen. Für zahlreiche dieser molekularen Mutationen wurde die prognostische Relevanz in grossen klinischen Studien belegt. Darüber hinaus stellt die quantitative Real-time PCR eine sehr sensitive Methode zum Nachweis von minimaler Resterkrankung dar. Angesichts des sich kontinuierlich erweiternden Spektrums molekularer Marker sind diese Methoden bei der Mehrzahl der Patienten mit AML anwendbar.

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