Akute myeloische Leukämie (AML) - FISH

Im Rahmen der Diagnostik der AML ist die FISH-Analytik überwiegend als ergänzende Methode zur klassischen Chromosomenanalyse zu sehen. Da die zytogenetischen Veränderungen bei der AML sehr vielfältig sind, lässt sich auch mittels eines umfangreichen FISH-“Screenings“ an Interphase-Kernen nur ein Bruchteil der möglichen Aberrationen erfassen. Daher kann FISH die klassische Chromosomenanalyse nicht ersetzen.

Soll hingegen eine gezielte Frage beantwortet werden, z.B. der Nachweis der Translokation t(15;17)(q22;q12) (mit einem Rearrangement der PML- und RARA-Gene) bei Verdacht auf das Vorliegen einer akuten Promyelozyten-Leukämie, so stellt die FISH-Technik an Interphase-Kernen eine schnelle und zuverlässige Methode dar. Das Ergebnis liegt bei Verwendung entsprechender Protokolle bereits nach drei Stunden vor. Weitere häufige bei der AML auftretende genetische Aberrationen wie die t(8;21)(q22;q22), die inv(16)(p13q22) sowie Rearrangements des MLL-Gens sind im Rahmen der WHO-Klassifikation für die Einteilung der AML massgeblich. Sie sind ebenfalls mittels FISH nachweisbar. Auch häufige unbalancierte Veränderungen, wie Deletionen des langen Arms von Chromosom 5 oder 7 oder Monosomien (-7) bzw. Trisomien (+8, +11, +13, +21) können mit FISH detektiert werden. Mit Hilfe eines überschaubaren FISH-Sondensets kann auch ein grosser Teil der AML-Fälle mit komplex aberrantem Karyotyp richtig klassifiziert werden.

Das so genannte „chromosome painting“ mit 1-3 bzw. 24 Farben (24-Farben-FISH) an Metaphase-Chromosomen wird ergänzend zur klassischen Chromosomenanalyse durchgeführt, sofern sich der Karyotyp mit der Chromosomenanalyse nach klassischer Bänderungstechnik nicht eindeutig aufklären lässt. Dies ist häufig bei komplex aberranten Karyotypen der Fall.

Die FISH-Methodik kann ferner im Verlauf der AML nach Therapie zum Nachweis von Resterkrankung eingesetzt werden. Sie ist sensitiver und spezifischer als die Zytomorphologie, jedoch weniger sensitiv als PCR und Immunphänotypisierung. Zum Nachweis der Resterkrankung hat die FISH-Methodik ihren Stellenwert vor allem bei AML beim komplex aberranten Karyotyp, da hier in der Regel keine mit der PCR detektierbaren genetischen Mutationen vorliegen.

English