Akute lymphatische Leukämie (ALL) – Überblick
Die "State of the Art"-Diagnostik der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) beruht auf einem Zusammenspiel der Methoden Zytomorphologie inklusive Zytochemie, Immunphänotypisierung, Chromosomenanalyse, FISH und Molekulargenetik.
Die Zytomorphologie gehört zusammen mit der Zytochemie in jedem Fall zur Standard-Diagnostik. Sie dient der Sicherung der Diagnose einer akuten Leukämie und der Abgrenzung gegenüber der AML. Bei Verlaufskontrollen unter Therapie ist die zytomorphologische Remissionsbeurteilung immer noch wichtig.
Die Immunphänotypisierung stellt einen weiteren sehr wichtigen Baustein in der ALL-Diagnostik dar. Neben der Sicherung der Diagnose ermöglicht sie über die Zytomorphologie hinaus die sichere Abgrenzung von der AML. Die Subtypisierung der ALL anhand des Immunphänotyps hat prognostische und therapeutische Bedeutung. Darüber hinaus kann zum Zeitpunkt der Diagnose ein sogenannter "Leukämie-assoziierter Immunphänotyp" (LAIP) bestimmt werden, welchen man zur Verlaufsbeobachtung unter Therapie nutzen kann („minimal residual disease“; MRD).
Die klassische Chromosomenanalyse zur Bestimmung des Karyotyps der Leukämiezellen gehört heute bei jedem Patienten mit ALL zur Standard-Diagnostik. Der Karyotyp ist notwendig zur Klassifikation nach WHO; noch wichtiger aber ist die prognostische und somit therapeutische Bedeutung des zytogenetischen Befunds.
Mit der FISH-Analytik (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung) lässt sich innerhalb von 24 Stunden das Vorliegen eines BCR-ABL1- oder MLL-Rearrangements nachweisen. Häufig wird die FISH-Untersuchung in Ergänzung zur klassischen Chromosomenanalyse eingesetzt, um dort nachgewiesene Aberrationen zu bestätigen und einen Ausgangsbefund für Verlaufskontrollen zum Nachweis von Resterkrankung unter Therapie zu erhalten. Zur detaillierten Aufklärung komplex aberranter Karyotypen kommt die 24-Farben-FISH-Methodik zum Einsatz.
Die Molekulargenetik dient dem Nachweis prognostisch und therapeutisch relevanter Fusionstranskripte und Mutationen. Die quantitative Real-time PCR stellt eine sehr sensitive Methode zum Nachweis von minimaler Resterkrankung dar. Sie kann auf der Basis von Fusionstranskripten oder klonalen Immunglobulin- und T-Zellrezeptor (TCR)-Genrearrangements durchgeführt werden.
