Akute lymphatische Leukämie (ALL) - FISH
Im Rahmen der Diagnostik der ALL ist die FISH-Analyse überwiegend als ergänzende Methode zur klassischen Chromosomenanalyse zu sehen. Da sehr unterschiedliche zytogenetische Veränderungen vorkommen, lässt sich auch mittels eines umfangreichen FISH-“Screenings“ an Interphase-Kernen nur ein Bruchteil der bei der ALL möglichen Aberrationen erfassen. Daher kann FISH die klassische Chromosomenanalyse nicht ersetzen.
Soll hingegen eine gezielte Frage beantwortet werden, so stellt die FISH-Technik an Interphase-Kernen eine schnelle und zuverlässige Methode dar: Das Ergebnis kann innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Häufige bei der ALL auftretende genetische Aberrationen wie die Philadelphia-Translokation t(9;22)(q34;q11) (einem Rearrangement der Gene BCR und ABL1 entsprechend), MLL- oder MYC-Gen-Rearrangements, die therapeutisch von hoher Bedeutung sind, können mittels FISH an Interphase-Zellkernen nachgewiesen werden.
Ein FISH-Screening auf die häufigsten Aberrationen ist sinnvoll in Fällen, in denen die Chromosomenanalyse kein valides Ergebnis erbringt. Auch bei normalem Karyotyp ist dies in Erwägung zu ziehen, wobei die Sonden in Abhängigkeit vom Immunphänotyp gezielt ausgewählt werden können.
Das so genannte „chromosome painting“ mit 1-3 bzw. 24 Farben (24-Farben-FISH) an Metaphase-Chromosomen wird ergänzend zur klassischen Chromosomenanalyse durchgeführt, sofern sich der Karyotyp mit der Chromosomenanalyse nach klassischer Bänderungstechnik nicht eindeutig aufklären lässt. Dies ist häufig bei komplex aberranten Karyotypen der Fall.
Die FISH-Methodik kann auch im Therapieverlauf zum Nachweis von Resterkrankung eingesetzt werden. Sie ist sensitiver und spezifischer als die Zytomorphologie, aber weniger sensitiv als PCR und Immunphänotypisierung. Bei der ALL dient FISH vor allem zum Nachweis von Resterkrankung im Falle unbalancierter Karyotypen. Diese Subgruppen der ALL weisen meist keine Fusionsgene oder Mutationen auf, die mittels PCR untersuchbar wären.
